Verunsicherung und Überforderung führten zu TelDaFax-Pleite

Am zweiten Verhandlungstag im TelDaFax hat einer der drei angeklagten Ex-Chefs des insolventen Billigstromanbieters teilweise die Verantwortung für die Insolvenzverschleppung übernommen. Die Aussage des TelDaFax-Vorstandmitglieds zeugt von dem Chaos der letzten Monate des Billigstromanbieters vor der Insolvenz. Koch wolle zur Aufklärung beitragen und erkläre sich verantwortlich für einen Teil der Unternehmenspleite.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:43

So sei es zutreffend, dass zunächst kein Insolvenzantrag eingereicht und die Buchführung seit dem Herbst 2010 nicht mehr ordnungsgemäß geführt wurde, sagte der ehemalige Vorstandschef des Unternehmens, Gernot Koch. „Hierfür übernehme ich die Verantwortung.“ Ein explizites Schuldgeständnis war die einstündige Erklärung des langjährigen technische Vorstands Gernot Koch jedoch nicht. Vielmehr schob einen Anteil des Unternehmensversagens auf Teldafax-Mitarbeiter, Berater und die Medien ab.

Mangelnde Übersicht im Chaos


Er sei sich bis heute nicht sicher, ob eine Pflicht zur Einreichung eines Insolvenzantrages bestanden habe. Als Technikvorstand habe er sich auf die Einschätzungen von Experten und seines Finanzvorstands verlassen. Die Rechtsanwälte des Unternehmens, externe Berater sowie das Hauptzollamt, dem TelDaFax Stromsteuern schuldete, hätten widersprüchliche Aussagen bezüglich der Notwendigkeit eines Insolvenzantrags getätigt und ihn verunsichert. Gleichzeitig seien die letzten Monate vor dem Insolvenzantrag von Chaos beherrscht gewesen. Bis zu 10 000 Emails und Briefe hatten die TelDaFax Services jeden Tag zuletzt erreicht. Aufgrund der Berichterstattungen über die Schieflagen des Unternehmens hätten sich viele Kunden gemeldet, die von den Mitarbeitern betreut werden mussten. Zudem sei zu wenig Zeit für eine ordentliche Buchhaltung vorhanden gewesen, nachdem die Bank kein Lastschriftverfahren mehr erlaubt hatte und allen Kunden Rechnungen geschrieben werden mussten.

Erhöhter Druck auf den verstummten Vorstand


Vor dem Prozess hatte das Gericht Koch in Aussicht gestellt, bei einem glaubhaften Geständnis mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Das angekündigte Geständnis entpuppte sich, so formuliert es die Wirtschaftswoche, als „Eingeständnis der Unfähigkeit, einen schnell wachsenden Stromdiscounter zu führen.“ Mit seiner Aussage erhöht Koch den Druck auf den beiden anderen angeklagten Ex-Vorstände Klaus Bath und Michael Josten, die bisher weiterhin schweigen.

Der Vorwurf im laufenden Prozess gegen die Führungsspitze des einstigen Energieversorgers lautet Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrotthandlungen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war TelDaFax bereits im Sommer 2009 insolvenzreif, der entsprechende Antrag wurde jedoch erst zwei Jahre später eingereicht. Durch die Pleite wurden nach Einschätzungen des Insolvenzverwalters mehr als 500.000 Kunden geschädigt. Bis heute ist ungewiss, ob die Gläubiger mit einer Entschädigung rechnen können.

Quellen:
Spiegel
Süddeutsche
Wirtschaftswoche