Erster Strompreisrückgang seit 15 Jahren

Seit Jahren stieg der Strompreis kontinuierlich an. In diesem Jahr ist er nun erstmals wieder leicht gefallen. Verbraucherschützer fordern jetzt weitere Entlastungen für Verbraucher, da die Versorger die Preissenkungen an der Börse nicht an ihre Kunden weitergeben.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:57

Zum ersten Mal seit 15 Jahren ist der Strompreis 2015 gesunken. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit drei Personen und einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden beträgt die monatliche Stromrechnung derzeit rund 84 Euro. Nach den Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte der Betrag 2014 bei 85 Euro gelegen. Der Rückgang wird in erster Linie auf die leicht gesunkenen Steuern und Abgaben zurückgeführt.

Steuern und Abgaben als hauptverantwortliche Kostentreiber


Der kontinuierliche Anstieg des Strompreises hat seit 2000 zu einer Verdoppelung des Strompreises geführt. Zur Jahrhundertwende hatte er den Tiefststand der letzten 17 Jahre erreicht. Zum Vergleichsjahr 1998 als die durchschnittliche Stromrechnung noch 50 Euro betrug, hat sich der monatliche Abschlag um 68 Prozent erhöht. Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelte haben nur einen verhältnismäßig kleinen Anstieg erlebt. Die Kosten für Steuern, Abgaben und Umlagen sind hingegen um 267 Prozent angestiegen und haben derzeit einen Anteil von 52 Prozent am gesamten Strompreis. Je ein Fünftel gehen dabei allein auf die EEG-Umlage und auf die Mehrwertsteuer zurück.

Während letzteres eine konstante Größe ist, hat sich die EEG-Umlage in den letzten 15 Jahren und vor allem seit 2010 vervielfacht. Sie ist einer der großen Kostentreiber auf der Stromrechnung. Das erstmalige Absinken des Strompreises ist wohl unter anderem darauf zurückzuführen, dass auch die EEG-Umlage zum ersten Mal kleiner ausfällt als im Vorjahr. Da das Umlagen-Konto Ende 2014 mit 4,3 Milliarden Euro im Plus war, wurde die Umlage von 6,24 auf 6,17 Cent je Kilowattstunde abgesenkt. 2016 ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen.

Versorger geben sinkende Börsenpreise nicht weiter


Trotz des leichten Preisabbaus monieren Verbraucherschützer, der Rückgang hätte weitaus größer ausfallen müssen. Sie fordern seit Langem, dass die Versorger die sinkenden Einkaufspreise an der Strombörse stärker an die Verbraucher weitergeben müssen. Zwischen 2010 und 2014 sind die Einkaufspreise einer Studie der Verbraucherzentrale NRW um ein Viertel gesunken, doch die Verbraucher spüren davon offensichtlich nichts. Rund 25 Prozent des Strompreises ergeben sich aus Strombeschaffung und Vertrieb und sind marktlich bestimmt. Die Versorger rechtfertigen die ausbleibenden Preissenkungen mit der steigenden Belastung durch Netzentgelte, deren Anteil derzeit etwa 23 Prozent am Strompreis beträgt. Diese sind in vielen Regionen durch den im Zuge der Energiewende erforderlichen Aus- und Umbau der Verteiler- und Übertragungsnetze gestiegen.

Quellen:
Spiegel
stadt-und-werk.de
BDEW