Russland droht mit Energiepreiserhöhungen

Russland reagiert auf die Wirtschaftssanktionen des Westens seinerseits mit der Androhung von Repressalien. Europa reagiert gelassen auf die Aussicht auf steigende Energiepreise und sieht sich am längeren Hebel.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 07.11.2014 11:08

Moskaus Außenminister zeigte in der vergangenen Woche wenig Verständnis für die EU-Sanktionen und bezeichnete sie als „unbedachter, unverantwortlicher Schritt“, der zwangsläufig einen Preisanstieg auf dem europäischen Energiemarkt zur Folge haben würde. Außerdem würden auch in Russland tätige Banken sowie Obst- und Gemüseexporteure aus der Europäischen Union mit negativen Konsequenzen zu rechnen haben.

Putins leere Drohung


Die Ankündigung bezüglich der steigenden Energiepreise ist zwar ernst zu nehmen, allerdings besteht nach Einschätzung von Experten und Politikern derzeit keine konkretes Risiko, dass die Drohung in die Tat umgesetzt wird. Vor dem internationalen Schiedsgericht wäre ein Bruch der langfristigen Lieferverträge insbesondere für Erdgas schwer zu verteidigen. Allerdings hat Russland in der Vergangenheit bei Gaskonflikten bereits mehrfach der Ukraine den Gashahn zugedreht. Der Kreml tendiert zu Taten, statt viele Worte zu verlieren.

Ein Lieferstopp würde Europa insbesondere beim Erdgas empfindlich treffen. Während Rohöl und verarbeitete Rohölprodukte wie Diesel noch einigermaßen problemlos von anderer Stelle bezogen werden können, deckt die Europäische Union rund ein Drittel ihres Erdgasbedarfs aus Russland. Eine Preiserhöhung würde in erster Linie die deutsche Industrie treffen, die rund 40 Prozent der Lieferungen verbraucht aber nur geringe Netzabgaben und Steuern zahlt. "Die Gaseinkaufspreise mancher Betriebe würden fast im Verhältnis 1:1 mit den Importkosten steigen", vermutet Energiemarktexperte Steffen Bukold. Die Verbraucher wären durch die Gegensanktionen weniger stark betroffen, da bei ihnen die Importpreise nur ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen. Doch auch sie wären von den Folgen nicht ganz ausgenommen.

Feuer mit Feuer bekämpfen


Energiekommissar Günter Oettinger demonstrierte angesichts der Drohungen Gelassenheit und wies im ARD-Morgenmagazin auf die Abhängigkeit Russlands von den Importeinnahmen hin: „ Die Russen haben Milliarden in Gasleitungen investiert. Wenn sie leer stehen, machen sie auch damit keine Geschäfte." Er glaube, dass die Verträge eingehalten würden, da eine wechselseitige Abhängigkeit bestehe. Dennoch könne die Europäische Union im Zweifelsfall zunächst auch ohne russische Erdgaslieferungen auskommen und seinen Bedarf mit Ressourcen aus Norwegen oder Algerien decken.

Die Europäische Union und die USA hatten zu Beginn der vergangenen Wochen die verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland als Reaktion auf das Referendum auf der Krim und eine drohende Annexion durch Russland verschärft. Die Strafmaßnahmen sind harte Schläge gegen die schwächelnde Wirtschaft Russlands und sollen Präsident Putin dazu bewegen, die Unterstützung für pro-russische Aktivisten in der Ukraine einzustellen.

Quellen:
Handelsblatt
Spiegel
Klimaretter.info