Strom-Biotop in der Nordsee: Smart-Grid im Praxistest

Smart-Meter sind der erste Schritt zu einem intelligenten Stromnetz, dem sogenannten Smart-Grid. Unabdinglich für eine erfolgreiche Energiewende, denn unser heutiges zentrales Netz ist nicht für eine immer dezentralere Stromproduktion ausgelegt. Um auf Schwankungen in der Stromerzeugung zu reagieren, muss das Netz der Zukunft intelligent und flexibel sein. Wie eine solche Vernetzung praktisch umgesetzt werden kann, sollen Testprojekte zeigen.

von Katharina Korczok
News

Datum: 26.04.2017 17:00

Netzvorhersagen machen erneuerbare Energien planbar


Pellworm und Fur – Die knapp 2.000 Einwohner der zwei kleinen Nordseeinseln nutzen seit einigen Jahren erfolgreich ein intelligentes Stromnetz. Die dänische Insel Fur im Limfjord im Norden von Jütland ist bekannt für ruhige Küstenwege und Bier aus der inseleigenen Brauerei. Seit Ende 2016 ist die Insel zusätzlich Biotop für ein Test-Netz des EU-Projektes GreenCom. Das Monitoring und Kontrollsystem soll zeigen, wie ein Netzlast-Management in regionalen Stromnetzen künftig aussehen könnte. Dazu stattete das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik innerhalb von dreieinhalb Jahren insgesamt 29 Haushalten mit Smart-Energy-Management-Systemen (SEMS) aus. Das System sammelt in den Haushalten in Echtzeit Daten über vernetzte Geräte wie Haushaltsgeräte, Wärmepumpen, Solaranlagen und Smart Meter und wertet diese aus. Über die Steuerungsplattform sollen gezielt Spitzenlasten verhindert oder reduzieret werden. Dazu werden über das SEMS Netzvorhersagen von bis zu vier Stunden erstellt, auf dessen Basis ein effizienter Einsatz von Energie geplant wird.

Regionaler Strom dank Speichermix


Einen Schritt weiter geht seit 2013 das Projekt enera auf der deutschen Insel Pellworm. Dort statteten Forscher des Fraunhofer-Instituts UMSICHT ein intelligentes Netz zusätzlich mit hybriden Speichersystemen aus. Denn Pellworm produziert in einem Jahr mehr erneuerbare Energie, als die Insel selbst verbraucht. Ein Mix aus thermischen und elektrischen Speichern macht zusätzlich zu einer Umverteilung von überschüssiger Energie auch die Speicherung in einigen Hochleistungsbatterien und dezentralen Haushaltsspeichern möglich. Bei Windflaute oder an bewölkten Tagen mit geringer Stromeinspeisung wird auf die Speicher zurückgegriffen. Lokal produzierter Strom kann damit vermehrt auch lokal verbraucht werden.

Fur und Pellworm sind nur zwei Beispiele einer ganzen Reihe von Smart-Grid-Projekten. 2014 zählte die Europäische Kommission insgesamt 459 Smart-Grid und Smart-Metering-Pilotprojekte in Europa. Die meisten davon in Deutschland und Dänemark.

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Quelle:
Smart Grid Projects PDF
pellworm.de
greencom-project.eu
insideenergy.org