Testphase für Solar-Energieprojekt: Produzieren Radwege bald Strom?

Strom könnte in den Niederlanden bald direkt von der Straße kommen. Der erste Radweg aus Solar-Zellen verbindet notwendige Infrastruktur mit neuen Wegen der Energiegewinnung. Ein 100 Meter langes Pilotprojekt soll prüfen, ob die Solar-Straße ein Modell für die Zukunft sein kann.

von Bente Löhndorf
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Datum: 17.11.2014 17:07

Dass ausgerechnet in den Niederlanden, wo Zweiräder ein besonders weitverbreitetes Fortbewegungsmittel sind, der erste Solar-Fahrradweg entsteht, sollte nicht verwundern. In der Gemeinde Krommenie wurde wenige Kilometer nördlich von Amsterdam vergangene Woche der erste Straßenabschnitt mit Solarzellenbelag eingeweiht. Das zunächst 70 Meter lange Pilotprojekt soll bis 2016 auf 100 Meter erweitert werden und dann immerhin drei Haushalte mit Strom versorgen.

Solar-Projekt: Vordenker im kleinen Rahmen für größere Aufgaben


Seit 2009 ist die Idee immer weiter gewachsen und ausgearbeitet worden. Das Ergebnis der Tüftelei sind zweieinhalb mal dreieinhalb Meter große Betonplatten, in denen Solarmodule eingelassen sind. Die abschließende Schicht bildet ein Zentimeter gehärtetes Glas, das befahrbar und so stabil ist, dass es sogar das Gewicht eines Lkws tragen könnte und dennoch die benötigte Lichtdurchlässigkeit gewährt. "Sonnenlicht wird über die Straßenoberfläche in Elektrizität umgewandelt", erklärt Projektleiter Sten de Wit von SolaRoad. Für die Zukunft gibt es bereits weitere ehrgeizige Pläne. Bald könnten - so die Vision de Wits - Straßen den Strom für E-Bikes und sogar Elektroautos produzieren. Wenn alle Verkehrswege in den Niederlanden mit Solarpaneelen ausgestattet würden, könnten sie laut SolaRoad ein Viertel des niederländischen Stromverbrauchs decken.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die Entwickler rechnen derzeit damit, dass die Solar-Straßen etwa 30 Prozent weniger Energie produzieren werden als Solar-Paneele auf Hausdächern. Im Gegensatz zu den etablierten Photovoltaikelementen können die Module auf der Straße nicht optimal im rechten Winkel zur Sonne ausgerichtet werden sondern liegen flach auf der Erde. Hinzu kommt, dass die dicke Glasabdeckung sowie Staub und Schmutz das Sonnenlicht abfangen. Auch der Effekt von Schattenwurf durch die Nutzer der Solarstraße ist noch nicht genau absehbar.

Eigenfinanzierung des Straßenbaus durch Solar-Strom


Laut einer Machbarkeitsstudie der Niederländer könnten die Solarpaneele dennoch nach spätestens 20 Jahren so viel Strom erzeugt haben, dass sie ihre Herstellungskosten wieder eingespielt haben. Damit wären sie die ersten Straßen, die ihre Baukosten selbst wieder erwirtschaften. Angesichts der Beträge wäre dies der Zukunftsfähigkeit der Solarstraße mehr als zuträglich: Die Kosten zur Verwirklichung des Pilotprojekts belaufen sich insgesamt auf drei Millionen Euro. Die Hälfte der Summe wurde von der Provinz Nordholland übernommen, der Restbetrag verteilt sich auf Partner aus der Straßenbaubranche: Die niederländische Industrieforschungsorganisation TNO, die Provinz Nord-Holland, der niederländische Straßenbau-Spezialist Ooms Civiel und das Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen Imtech. Mit der professionellen Unterstützung kommen die Niederländer dem US-amerikanischen Ehepaar Brusaw zuvor, dass per Crowdfunding in den vergangenen Monaten für den Bau der ersten Solar-Straße der Welt zwei Millionen Dollar zusammengesammelt hat.

Quellen:
Spiegel
Wirtschaftswoche Green