Russische Gaspipeline South Stream scheitert

Die Gaspipeline South Stream sollte Gazprom unabhängiger von der Ukraine als Transitland machen, nun findet das Vorhaben ein jähes Ende. Russland sucht die Verantwortung für das Scheitern in Europa, doch das Land kann seine eigenen Probleme nicht viel länger verstecken.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 15.12.2014 13:59

Mit dem Abbruch des Bauprojekts für die Gaspipeline South Stream leitet Gazprom einen Strategiewechsel ein und wendet sich vom europäischen Markt ab. „Wenn Europa es nicht verwirklicht haben will, wird es nicht verwirklicht“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin. Als Alternative soll nun eine Offshore-Pipeline über die Türkei als neuer Zugang zu Europa außerhalb von der Ukraine gebaut werden. Die Schuld für das Scheitern des Projekts sucht Putin in der europäischen Blockadehaltung. Experten vermuten jedoch gleichzeitig finanzielle Gründe hinter dem überraschenden Kurswechsel, Russland droht in eine Rezession zu rutschen.

Strategiewechsel bei Gazprom führt zu Aus von South Stream


Die umstrittene South Stream Pipeline sollte Russland unabhängiger von der Ukraine als Transitland machen und Gas über Bulgarien nach Europa leiten. Auf Geheiß der EU und Washingtons verweigert Bulgarien seit Juni jedoch die notwendige Bauerlaubnis, um in der Ukraine-Krise Druck auf den Osten auszuüben. Europa begründet seine Ablehnung ab vor allem mit rechtlichen Bedenken. Gemäß dem Dritten Energiepakt dürfen Energiekonzerne nicht gleichzeitig die Pipelines besitzen, durch die sie ihr Gas leiten. Dies wäre für Gazprom bei South Stream der Fall gewesen. Konzernchef Alexej Miller kündigte nun eine grundlegende Einstellungsänderung des Unternehmens zu Europa an: „Das ist der Anfang vom Ende unseres Modells, bei dem wir uns auf Lieferungen bis zum Endverbraucher auf dem europäischen Markt orientierten.“ Künftig müssten Versorger in Europa die Leitungen zu den Verbrauchern selbst legen.

Der russische Riese wankt


Neben Russland entstehen auch Serbien und Bulgarien Nachteile aus dem Ende des Bauprojekts. Beiden Ländern gehen zwei beziehungsweise drei Milliarden Euro Investitionen verloren, sowie jährliche Transitgebühren und Arbeitsplätze. Obwohl auch Russland bereits hohe Summen in die Pipeline investiert hat, bewertet Alexej Kokin, Energieanalyst der Investitionsgesellschaft Uralsib, das Ende von South Stream positiv: „Wir haben South Stream schon lange skeptisch bewertet, weil es ein ziemlich teures Projekt ist, eine neue Pipeline zu Märkten hin zu bauen, die Gazprom schon jetzt beliefert.“ Während Russland offiziell die Gründe für das Scheitern im Ausland sucht, scheint es, als wäre der Staatskonzern nicht mehr in der Lage, das Projekt zu finanzieren. Da der Gaspreis mit einer sechs- bis neunmonatigen Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt ist, der seit Jahresbeginn um 37 Prozent gefallen ist, werden die Gewinne Gazproms aller Voraussicht nach im nächsten Jahr noch stärker einbrechen als bisher. Zusammen mit den Sanktionen des Westens führen die sinkenden Energiepreise Russland geradewegs in eine Rezession.

Machtpoker über Gaspipeline in der Türkei


Umso erstaunlicher erscheint da die Ankündigung Putins über eine vereinbarte Gaspipeline durch die Türkei. Angesichts der drohenden Krise kann Gazprom nicht auf das gute Geschäft in Europa verzichten. Mit jährlich 462 Milliarden Kubikmetern ist die Nachfrage Europas nach Gas die größte der Welt. Rund 27 Prozent dessen werden bisher von Russland gedeckt. Um sein Gas dennoch um die Ukraine herumzuleiten, haben Russland und die Türkei bereits die Firma Russakya zum Bau einer Rohrleitung in die Türkei gegründet. Die Türkei, als größter Abnehmer nach Deutschland, werde künftig 50 Milliarden Kubikmeter Gas in Europa verteilen können. Dieses „Gasventil“ könne das Land im geopolitischen Machtpoker mit der EU einsetzen, erklärte Gazprom-Chef Miller.

Quellen:
Spiegel
Spiegel
Die Welt
Der Kurier