Streit um Zwischenlager: Atommüll auch nach Bayern?

Das Bundesumweltministerium unter der Führung von Barbara Hendricks (SPD) hat sich nun mit den vier großen Energieversorgern über eine Zwischenlagerung der in Sellafield (GB) und La Hague (FR) stehenden Castoren geeinigt. Als Standort soll auch ein AKW in Bayern in Frage kommen.

von Matthias Epkes
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Datum: 11.11.2015 14:03

Im französischen La Hague und britischen Sellafield stehen Castoren mit Atommüll, der wiederaufbereitet auf seine Rückreise nach Deutschland wartet. Allerdings streitet man sich noch über die Zwischenlagerung. Nun soll das Bundesumweltministerium sich mit den großen Energieversorgern E.on, Vattenfall, RWE und EnBW auf vier Standorte geeinigt haben: Die AKWs Philippsburg in Baden-Württemberg (EnBW), Brokdorf in Schleswig-Holstein (Vattenfall), Biblis in Hessen (RWE) sowie Isar in Bayern (E.on). Vorgestellt hat dies die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in einem Gesamtkonzept am heutigen Freitag.

Bayern fühlt sich beim Atommüll übergangen


Neu ist hierbei, dass nun auch Bayern Atommüll aufnehmen soll. Das Bundesland hatte sich in der Vergangenheit immer dagegen ausgesprochen, Atommüll aufzunehmen. Das Gesamtkonzept der Bundesministerin wurde zwar den einzelnen Bundesländern mitgeteilt, deren Zustimmung bedarf es angeblich aber nicht. Die CSU in Bayern erklärte, dass Regelungen, die der Bund alleine trifft „politisch unklug und dreist“ seien. „Wenn der Bund hier allein entscheiden will, stellt er eine Einigung bei der Energiewende insgesamt infrage“, so Staatskanzleichef Marcel Huber.

Energiekonzerne zufrieden mit Konzept


Die anderen Bundesländer begrüßen dieses neue Gesamtkonzept, da sie eine gerechte Verteilung des Atommülls forderten, bei der auch Bayern mit einbezogen werde. Niedersachsen wurde hierbei ausgeklammert, da das Bundesland mit Gorleben bereits genug belastet sei. Die Energiekonzerne, deren AKW nun als Aufnahmelager der im Ausland stehenden Castoren in Frage kommen, wollen bei dieser Regelung ihre Klagen gegen das Atomgesetz prüfen und gegebenenfalls zurücknehmen. Sie hatten sich generell gegen eine Verteilung des Atommülls ausgesprochen, da nach ihrer Ansicht mit Gorleben bereits ein funktionierendes Zwischenlager bestehe. Nun gibt es allerdings Einigung.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung