Trotz Tiefflug an der Börse: Strom bleibt teuer

Die Preise an der Strombörse fallen schon seit Wochen, doch die Verbraucher können von dieser Entwicklung nicht profitieren. Während das Kilowatt am Markt mit derzeit etwa drei Prozent gehandelt wird, müssen Privatkunden das Zehnfache abdrücken – damit liegen Deutschlands Strompreise im Europavergleich ganz weit vorne, nur die Dänen müssen noch tiefer in die Tasche greifen.

von Redaktion
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Datum: 01.08.2016 17:26

Die niedrigen Beschaffungspreise werden durch eine Erhöhung der staatlichen Lasten ausgeglichen - so setzt sich der Strompreis in der Regel zu etwa 25 Prozent aus der Energiebeschaffung, dem Vertrieb und der Marge zusammen, 22 Prozent entfallen auf die EEG-Umlage, 20,5 Prozent auf Netzentgelte. Der restliche Anteil entfällt auf kleinere Posten wie die Konzessionsabgabe und die Stromsteuer. Beim Blick auf die aktuellen Entwicklungen dürfte auch in naher Zukunft nicht mit einer Preissenkung zu rechnen sein: Laut Jan Lengerke aus der Verivox-Geschäftsführung haben 30 Prozent der Versorger ihre Preise in den vergangenen Monaten im Durchschnitt um 3 Prozent erhöht, wohingegen nur bei jedem Zehnten die Preise gesunken sind.

Netzentgelte und EEG-Umlage gleichen niedrige Beschaffungspreise aus


Einer der Hauptgründe für die nicht stattfindende Anpassung ist der teure Netzausbau. 18 Milliarden Euro kosten die neuen Leitungen an Land, die den Strom der vielen neuen Energieproduzenten im Zuge der Energiewende einspeisen sollen – die weitaus kostspieligere Offshore Netze sind da noch nicht eingerechnet. Laut einem Sprecher der Bundesnetzagentur schlagen sich die Kosten für den Ausbau allerdings nur in einem leichtem Anstieg des Strompreises nieder, die Erhöhung soll schrittweise und über einen längeren Zeitraum von statten gehen. Zu Buche schlagen viel mehr die Systemstabilisierungskosten: Hierbei werden alle Stromkunden für die vorübergehende Abschaltung von Wind- und Solarparks bei einer Überproduktion zur Kasse gebeten. Im letzten Jahr waren das rund eine Milliarden Euro. Auch die EEG-Umlage mit aktuell 6,35 Cent ist ein kostspieliger Faktor bei der Zusammensetzung des Strompreises – Fachleute erwarten hier künftig einen Anstieg auf etwa 7 Cent.

Vertragswechsel und Stromspar-Tipps können Rechnung senken


Abgesehen von den staatlichen Lasten sind die hohen Strompreise allerdings auch das Ergebnis einer zuweilen unfairen Zwei-Klassen-Politik der Versorger: Häufig werden Vorteile im Stromeinkauf nur an die Kunden weitergegeben, deren Tarif im Wettbewerb steht. Grundversorgungskunden, die noch nie ihren Tarif oder Anbieter gewechselt haben, müssen oft mit deutlich teureren Konditionen Vorlieb nehmen. Das betrifft in etwa ein Drittel aller Stromkunden – in diesen Fällen kann ein Vertragswechsel mehrere hundert Euro einsparen.
Darüber hinaus können auch ein paar aufmerksame Kniffe im Haushalt hilfreich sein, um die Stromrechnung nicht unnötig in die Höhe zu treiben: So kann man stille Stromfresser ganz einfach durch einen Schalter lahmlegen, der bei Nichtbenutzung die Stromversorgung kappt. Bei großen Neuanschaffungen, wie zum Beispiel eines Fernsehers oder Kühlschranks, lohnt sich ein Blick auf die Energieeffizienzklasse. Und in Sachen Beleuchtung ist es sinnvoll, auf LED-Technik umzurüsten oder zumindest zu überdenken, ob eine künstliche Beleuchtung in Einzelfällen tatsächlich notwendig ist.

Quellen:
stadtzeitung.de
FOCUS