Strom durch Muskelkraft

Wer aktiv ist und sich bewegt, verbraucht Energie. Aber kann man mit Bewegung sogar Energie prdouzieren? Das Energieverbraucherportal zeigt verblüffende Ideen, die eigene Muskelkraft in nützlichen Strom umzuwandeln.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:58

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass der Ökostromanbieter Lichtblick in seinem Blog einen neuartigen Stromtarif anbieten wollte: Körperstrom. Durch eine Kooperation mit einigen Fitnessstudios wolle man den in Fitnessstudios produzierten Strom als Haushaltstarif Privatkunden anbieten. Eine phänomenale Idee, wenn da nicht das Veröffentlichungsdatum des Blog-Artikels wäre. Es handelte sich um einen Aprilscherz.

Fitnessstudio als Kleinstkraftwerk


Dennoch scheint diese Idee nicht ganz an den Haaren herbeigezogen zu sein. Wer sich einmal in Fitnessstudio auf Spinning-Rädern abgemüht hat, wird nicht nur gemerkt haben, wie anstrengend es ist, sondern sich auch fragen, ob die eigene schweißtreibende Energie nicht irgendwie genutzt werden könnte. Sicherlich ist der Energiegewinn sehr gering — und strengt man sich noch so sehr an. Das Berliner Fitnessstudio Green Gym bietet seinen Kunden aber immerhin an, dass sie an Crosstrainern und Fahrrädern ihre Handys und Mp3-Player direkt wieder aufladen können, darüber hinaus produzierter Strom kommt in eine Solar-Batterie und wird später verwendet. Dem Studio-Leiter Rene Eick geht es dabei weniger um die Energiegewinnung als mehr um die Botschaft und das Bewusstsein. Bei den Kunden trifft er damit auf Zustimmung

Ein ähnliches Konzept verfolgte ein Crowdfunding-Projekt in New York. Mit sogenannten Charge Cycles, die an verschiedenen Stellen der US-Metropole stehen, können sich Passanten auf stationäre Räder setzen und kleine Elektrogeräte aufladen. Durchaus praktisch, wenn zwischendurch die Akkuleistung des Smartphones wieder mal nachlässt.

Kinogänger und Discobesucher als Stromproduzenten


Fahrräder scheinen in der Ökostrombewegung ein zentrales Element zu sein. So gibt es deutschlandweit immer wieder Fahrradkinos. Bei diesen Kinos läuft nichts, wenn die Zuschauer dafür nicht in die Pedale treten. Ein Kino ist z.B. die ufaFabrik. Dort müssen insgesamt 10 Räder in „Bewegung“ bleiben, damit der Beamer und die Technik nicht in die Knie gehen. Wird ein Kinoradler müde, hebt er die Hand oder gibt ein Klingelzeichen. Der nächste Zuschauer ist an der Reihe.

Auch wenn diese Idee schon besonders spannend ist, so ist die einer niederländischen Firma noch innovativer. Zwar hat der Watt Club in Rotterdam mittlerweile geschlossen, allerdings produzierten die Diskobesucher dort ihren eigenen Strom: und zwar durchs Tanzen. Der Boden ist mit einzelnen Platten belegt, die bei Druck kleine Mini-Dynamos antreiben. Der erzeugte Strom betreibt neben der DJ-Anlage auch die leuchtenden Bodenplatten. Wer sich mehr bewegt, dessen Boden leuchtet auch mehr. Dadurch liegt der Energieverbrauch deutlicher unter dem von anderen Clubs. Die niederländische Firma versucht in einem Pilotprojekt diese Energiegewinnung auch für Bahnhöfe, Flughäfen und Einkaufszentren zu erproben. Beispielsweise ließen sich Straßenbeleuchtungen darüber betreiben.

Auch bei diesen Projekten geht es den Erfindern um die Botschaft, dass Strom nicht einfach so aus der Steckdose kommt und als selbstverständlich hingenommen wird. Wenn Strom fließt, muss dafür vorher auch etwas passiert sein.



Quellen:
Welt
Süddetusche Zeitung
dailygreen.de
lichtblickblog.de
Berliner Zeitung
Tagesspiegel
greengymberlin.de