Seehofer sorgt für neuen Zunder im Trassen-Streit

Während auch der Streit zwischen Bahn und GDL in die nächste Runde geht, gibt es auch im anderen „Trassen-Konflikt“ neuen Zunder. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer legt sich im Gerangel um die geplanten Stromleitungen von Nord- nach Süddeutschland mit seinen Landesnachbarn an.

von Carolin Lonnes
News

Datum: 11.11.2015 14:00

Verschiebungsplan des SuedLink sorgt für Unmut


Seehofer hat die massive Kritik seitens Baden-Württemberg und Hessen an seinem neuen Trassenvorschlagsplan als unbegründet zurückgewiesen. Dieser sieht eine Verschiebung des sogenannten SuedLink nach Westen vor, was zu einer deutlich stärkeren Belastung der beiden angrenzenden Bundesländer führen würde. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) äußerte hierzu: „Egal, was in Bayern gedacht, geredet oder geschrieben wird, es wird keine Verlagerung der Trassenführung gegen die hessischen Interessen geben.“ Und auch in Stuttgart registrierte man den bayrischen Entwurf mit Unmut. Die Trassen seien ein nationales Projekt, deren Planung sei hoch komplex und seit Jahren im Konsens erfolgt - nun plötzlich alles auf Null zu stellen, könne sich niemand leisten, betonte rot-grüne Regierung.

Bayern erachtet Pläne als logisch


Seehofer reagierte auf die Kritik an Bayerns Extrawunsch gewohnt: „Baden-Württemberg braucht den SuedLink ohnehin und hat diesen auch begrüßt.“ Nun gehe es nur darum, wo man einen Zweig nach Bayern führe. Und wenn man den SuedLink von der Nordsee nach Baden-Württemberg führen wolle, dann müsse dieser eben durch Hessen führen. Unterstützende Argumente für die bayrische Logik kommt aus dem eigenen Wirtschaftsministerium. Ministerin. Ilse Aigner (CSU) rechnete vor, dass nach den bisherigen Plänen 400 Kilometer neue Stromleitungen in Bayern gebaut werden müssten und nur 100 in Baden-Württemberg.

Weitere Kritik aus Berlin und Bürgerinitiativen


In Berlin reagierte man indes ebenfalls mit Unverständnis auf die Abwälzungspläne aus Bayern. Die SPD sieht es als eine Zumutung für andere Bundesländer, wenn aus Bayern immer nur Wünsche nach „Extrawürsten“ kämen. Es gebe eine gemeinsame nationale Verantwortung für den Erfolg der Energiewende, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi.
Kritik kommt auch noch von vielleicht unerwarteter Seite, denn auch der Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen die Stromtrasse Suedlink äußerte sich negativ zu den Plänen: „Eine Verlegung nach Westen in Hessen und durch Baden-Württemberg wäre technisch gesehen noch größerer Unsinn“, sagte der Vorsitzende Guntram Ziepel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Fulda. „Diese Vorstellung ist nicht zielführend und vollkommen neben der Spur.“ Die Bürgerinitiativen fordern eine generelle Prüfung zur Notwendigkeit der „Monster-Stromtrassen“ mit mehr als 70 Meter hohen Masten.

Quellen:
Frankfurter Rundschau
Süddeutsche Zeitung
FOCUS