Süddeutschland drohen höhere Strompreise

Die Diskussion um den geplanten Netzausbau nimmt kein Ende. Die EU droht nun im Falle einer ausbleibenden Einigung für den Stromleitungsbau mit einer Trennung des deutschen Strommarktes, die eine Kostenerhöhung der Strompreise für den Süden der Republik zur Konsequenz hätte.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 07.11.2014 11:32

Deutschlands Zerfall in zwei Preiszonen


Strom könnte im Süden Deutschlands bald um bis zu zehn Prozent teurer werden als in nördlichen Landesteilen, falls die umkämpften Stromtrassen nicht gebaut werden. Dies geht aus einer Studie um Auftrag der EU-Kommission hervor. Die Kommission droht mit einer Trennung des deutschen Strommarktes, wenn die beiden Leitungen, die Windstrom aus dem Norden in den Süden der Republik transportieren sollen, aufgrund der Bürgerblockaden nicht umgesetzt werden. Dies würde laut einer von der Kommission in Auftrag gegebenen Studie zur Folge haben, dass sich zwei verschiedene Zonen für Strompreise mit Kostennachteilen für die südlichen Regionen entwickeln.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel entstehen in Deutschland bereits heute Kosten in dreistelliger Millionenhöhe durch Versorgungsengpässe in den südlichen Bundesländern. Insbesondere durch die Abschaltung von drei bayerischen Atomkraftwerken bis 2022 könnte sich diese Situation noch verschärfen. Aus dem Studienbericht von norwegischen Strommarktexperten lässt sich schließen, dass der Mangel an Leitungen von Norden nach Süden die Stromflüsse nicht direkt innerhalb Deutschlands zum Zielort sondern Tschechien und Polen umgeleitet werden müssen.

Seehofers Trassenblockade könnte Strompreise in die Höhe treiben


Trotz der bereits heute teuren Versorgungsengpässe sieht CSU-Regierungschef Horst Seehofer keine Notwenigkeit für den Bau neuer Stromleitungen. Er fordert einen eindeutigen Nachweis für den alternativlosen Bedarf für die beiden geplanten Trassen - die Nord-Ost-Trasse und der sogenannte "SuedLink". Insbesondere die Nord-Ost-Trasse stößt in der Bevölkerung auf Protest, seit Jahresbeginn mit Unterstützung des bayerischen Ministerpräsidenten, der den Verlauf von Lauchstädt in Sachsen-Anhalt bis in die Nähe von Augsburg kategorisch ablehnt. Die Netzbetreiber würden diese aus reinen Profitgründen bauen wollen, so Seehofer. Stattdessen möchte er die Versorgungssicherheit Bayerns durch neue Gaskraftwerke gewährleisten.

Modernisierungsblockade trifft auf Unverständnis


Im Focus erklärt der Chef der Deutschen Energie-Agentur dena, Stephan Kohler: „Kommen die Stromtrassen nach Bayern nicht, dann müssten die Länder im Norden sofort aufhören, neue Windkraftanlagen zu installieren.“ Kohler hält die Pläne Seehofers, die Energieunabhängigkeit mit Gaskraftwerken zu errichten, für unrealistisch, da die Kraftwerke derzeit nur durch Subventionen und staatliche Bezuschussung rentabel betrieben werden könnten. „Dann hätten wir einen gespaltenen Energiemarkt“, so Kohler. „In Bayern wäre der Strom teurer als im Norden, wo Überfluss herrscht.“ Auch der Umweltminister Baden-Württembergs, Frank Untersteller (Grüne), zeigt wenig Verständnis für die Blockade des CSU-Chefs. Versuche, den Ausbau der Stromnetze zu bremsen oder zu verhindern, richten sich seiner Meinung nach gegen die Wirtschaft und gegen den Wohlstand in Deutschland. "Wer das tut, riskiert den Wirtschaftsstandort Deutschland und betreibt eine Politik der Deindustrialisierung."

Seehofer selbst wies die Anklage, sein Kurs könne zu erhöhten Strompreisen in Bayern führen, als "Quatsch" zurück. "Die These von zwei Stromzonen, die können Sie vergessen", sagte Seehofer nach einer CSU-Sitzung in München. Er plädiert für einen weiteren drei- bis viermonatigen Bürgerdialog, in dem auch die wesentlich kostenintensivere Erdverkabelung erneut diskutiert werden soll. Er setzt frühestens Anfang 2015 auf eine Entscheidungsfindung.

Quellen:
FAZ
FAZ
FAZ
Spiegel
Süddeutsche Zeitung