Prozessbeginn zu TelDaFax-Insolvenz

Knapp vier Jahre nach der Insolvenz des Billigstromanbieters beginnt der Strafprozess gegen die ehemaligen Unternehmenschefs wegen Insolvenzverschleppung und Betrug. Hunderttausende TelDaFax-Kunden warten bis heute auf eine Entschädigung.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:36

Heute wurde das nächste Kapitel der Geschichte um die TelDafax-Insolvenz aufgeschlagen. Zwei Jahre nach Anklageerhebung beginnt der Prozess gegen die ehemaligen Manager des einstigen Billigstromanbieters vor der Wirtschaftskammer des Landesgerichts in Bonn. Die Liste der Vorwürfe von der Staatsanwaltschaft ist lang: gewerbsmäßiger Betrug in 241 Fällen, Bankrott in vier Fällen sowie Insolvenzverschleppung.

Das besonders günstige Angebot von TelDaFax hatte bis 2011 viele Kunden angelockt, doch das Geschäftsprinzip hatte sich als nicht nachhaltig entpuppt. Hunderttausenden Kunden entstand durch die Insolvenz ein Schaden von insgesamt rund 500 Millionen Euro. Im Falle einer Verurteilung droht den Angeklagten nun eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Obwohl bei einem Schuldspruch die Aussicht auf ein Durchsetzen der Schadensersatzklagen steigt, ist derzeit noch unklar, inwieweit die Geschädigten mit Rückzahlungen rechnen können.

Schneeballprinzip auf Kosten der Verbraucher


Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war die TelDaFax-Holding bereits Mitte 2009 zahlungsunfähig. Die Frist, drei Wochen nach Bekanntwerden der Insolvenzreife die Zahlungsunfähigkeit anzubringen, wurde versäumt. Die Einreichung des Insolvenzantrags erfolgte erst 2011. Innerhalb der zwei Jahre seien alle Berichte über finanzielle Schwierigkeiten abgewehrt und eine Vielzahl an Kunden für ein sinkendes Schiff gewonnen worden. TelDaFax wurde zuletzt als größter konzernunabhängiger Energiehändler Deutschlands gehandelt, es folgte der unrühmliche Titel „größte Unternehmenspleite der deutschen Wirtschaftsgeschichte“. Diesen hielt die Holding jedoch nur bis der Stromdiscounter Flexstrom 2013 ebenfalls Insolvenz anmeldete.

Die Geschäftsmodelle der beiden Billigstromanbieter weisen viele Parallelen auf: Mit sehr günstigen Strom- und Gastarifen mit Preisen unterhalb des Einkaufspreises standen sie bei vielen Vergleichsportalen immer wieder ganz oben, weil sie den Kunden Bonuszahlungen versprachen. Die Auszahlung der Boni wurde jedoch häufig verschleppt oder vollständig verweigert. Außerdem basierten die Geschäfte beider Unternehmen auf einem Vorkassemodell, dass den Kunden große Rabatte versprach aber letztlich vielen nach der Insolvenz einen großen Verlust einbrachte. Insolvenzverwalter Biner Bähr stellte unmissverständlich klar: „Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer.“

Schadenshöhe von 500 Millionen Euro


Rund 750 000 Gläubiger, unter ihnen hauptsächlich ehemalige TelDaFax-Kunden, warten nun auf eine Entschädigung. In 135 Fällen ist aufgrund der verzögerten Bearbeitung von Rückzahlungsforderungen ein Schaden von knapp 98 000 Euro entstanden (zwischen 200 und 1080 Euro). Weitere 106 Kunden haben einen Gesamtschaden von 86 000 Euro (im Einzelfall zwischen 67 und 2600 Euro) angemeldet. Das Insolvenzverfahren wird unabhängig von der strafrechtlichen Verfolgung von einer Kanzlei in Düsseldorf angewickelt. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Biner Bähr erklärte: „Das Insolvenzverfahren wird keinesfalls vor 2017 abgeschlossen sein.“ Auch der Strafprozess wird sich in die Länge ziehen. Nachdem der Prozessauftakt im vergangen Jahr aus verfahrenstechnischen Gründen verschoben wurde, sind für dieses Jahr 34 Hauptverhandlungstage bis zum 11. August angesetzt. Weitere Sitzungen bis zum Ende des Jahres sind jedoch ebenfalls eingeplant, sodass ungewiss bleibt, ob es in dem Strafverfahren noch 2015 zu einem Urteil kommen wird.

Fallstricke bei der Tarifwahl


Seit der Insolvenz von TelDaFax und Flexstrom sind viele Kunden kritischer gegenüber besonders günstigen Energieversorgern geworden. Auch einige Tarifvergleichsportale stehen in der Kritik, die Tarif- und Preisgestaltung der Versorger nicht transparent genug zu gestalten. Auch wenn einige Vergleichsportale ihre Kriterien daraufhin abgeändert haben, sind die Forderungen von Stiftung Warentest in den Voreinstellungen bei vielen noch nicht vollständig umgesetzt. Den größten Schutz vor Fallstricken boten laut dem Testurteil die Vergleichsrechner energieverbraucherportal.de und hauspilot.de. Die Verbraucherschützer raten dazu, beim Tarifvergleich Vorkassemodelle und Pakettarife auszuschließen und Bonuszahlungen aus den Vergleichen herauszurechnen. Zudem solle der Verbraucher auf kurze Anschlusszeiten und Kündigungsfristen achten sowie auf möglichst lange Preisgarantien.

Quelle:
NTV
Tagesspiegel
Kölnische Rundschau
zfk.de