Vattenfall gibt Braunkohlegeschäft auf

Die Geschäftszahlen und die schwedische Regierung fordern eine Neuausrichtung des Energiekonzerns Vattenfall. Das Unternehmen möchte künftig vermehrt auf nachhaltige Stromerzeugung setzen und plant den Verkauf seiner deutschen Braunkohlesparte.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 14.11.2014 16:21

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall verabschiedet sich aus dem deutschen Braunkohlegeschäft. Medienberichten zufolge erwägt das Unternehmen den Verkauf seiner ostdeutschen Tagebaustätten und mitsamt der Verstromungsanlagen. „Der Verwaltungsrat hat entschieden, dass Vattenfall Optionen für eine nachhaltige und neue Eigentümer-Struktur seines Braunkohlegeschäfts prüfen wird“, verkündete der neue Vorstandsvorsitzende des Staatskonzerns Magnus Hall. Hintergrund ist wahrscheinlich das nach herben Verlusten in den letzten Geschäftsjahren vorgestellte Sparplan des Unternehmens sowie der zu erwartende Kurswechsel der neuen rot-grünen Minderheitskoalitionsregierung in der Energiepolitik, mit weniger Atomkraft und mehr nachhaltiger Energieerzeugung.

Konzernumstellung bei Vattenfall auf Druck der schwedischen Regierung


Nach der Veräußerung von Stromnetzen, Stadtwerksbeteiligungen und Ingenieurstechnik plant der Energiekonzern nun auch die Trennung von einem wesentlichen Standbein der Stromerzeugung. Obwohl zu erwarten ist, dass es noch einige Zeit dauern wird bis die angekündigten Energiereformen der neuen Regierung in Stockholm verabschiedet sind, hat sich die Konzernspitze schon jetzt dazu entschieden, vermehrt auf saubere Energieproduktion zu setzen. „Unsere Strategie sieht klar eine Reduzierung unserer Kohlendioxid-Exponierung und eine Umstellung unseres Erzeugungsportfolios auf erneuerbare Energien vor“, begründete Hall die Neuausrichtung. Seinen übrigen Geschäftsbereichen in Deutschland – Fernwärme, Vertrieb und Verteil-Netze sowie Handel, Windkraft und weitere Energieerzeugung – bleibe der Konzern jedoch „vollauf verpflichtet“.

Unsichere Zukunft für Braunkohle


Die Zahl der potenziellen Käufer für das Braunkohlegeschäft ist klein. Die ist nicht nur auf den Marktgerüchten zufolge hohen Kaufpreis von 2 Milliarden Euro zurückzuführen sondern auch darauf, dass die besonders klimaschädliche Braunkohle einer unsicheren Zukunft entgegenblickt. In der Bundesregierung gibt es Bestrebungen den Kohlestrom massiv zurückzufahren, zudem könnte sich bei einer Verteuerung von CO2-Zertifikaten der aktuelle Preisvorteil der Braunkohle ins Gegenteil verkehren. Dennoch gilt der tschechische Energiekonzern EPH als möglicher Interessent für die Braunkohlesparte in der Lausitz. Das Unternehmen besitzt bereits die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Mibrag in Sachsen-Anhalt. Dennoch betonten sowohl EPH als auch Vattenfall, dass es noch verfrüht sei, über Übernahmepläne zu sprechen.

Wie auch andere Energieriesen in Deutschland hat das Unternehmen zuletzt große Verluste erwirtschaftet. Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen ein Minus von rund 18 Milliarden schwedische Kronen (1,94 Milliarden Euro), der Umsatz sank leicht auf rund 34,7 Milliarden Kronen. Aus den Abschreibungen folgte notwendigerweise ein massives Sparprogramm über 3 Milliarden Kronen.

Bedrohung für Arbeitsplätze und die Region


Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bat um schnelle Aufklärung über die Vorstellungen des Unternehmens in einem persönlichen Gespräch. Indes verlangt die Gewerkschaft IG-BCE, das Braunkohlegeschäft Vattenfalls müsse für die Beschäftigten und die Region „mit voller Leistungskraft, Zukunftsfähigkeit und Investitionsstärke erhalten bleiben“. In der Lausitz und in Mitteldeutschland hängen rund 9000 Menschen an den fünf Tagebauen und vier Kraftwerken des Unternehmens. Vor kurzem hatte der Konzern noch, unterstützt von den jeweiligen Landesregierungen, die Erweiterung on Tagebauen in Brandenburg und Sachsen beantragt. Auch Klimaschützer, die sich für einen generellen Abschied aus der Kohleverstromung aussprechen, betrachten die Pläne des Energieriesens mit Skepsis: Wenn Vattenfall klimafreundlicher werden wolle, dürfe der Konzern nicht einfach das Braunkohlegeschäft verkaufen. „Ein Verkauf löst nicht das Problem, sondern reicht es lediglich weiter.“

Quellen:
FAZ
Süddeutsche Zeitung
Spiegel
Spiegel