Bundesländer-Vergleich zeigt Deutschland als Energiewende-Flickenteppich

Das diesjährige Energiewende-Ranking des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat gezeigt, dass Deutschland bei der Transformation der Energieversorgung bisweilen wie ein Flickenteppich aussieht.

von Sven Ebbing
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Datum: 29.11.2019 11:03

In der Gesamtbetrachtung schneiden bundesweit zurzeit Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern am besten ab, während Berlin und das Saarland am meisten Nachholbedarf haben. Eines haben alle Bundesländer gemeinsam: Es bleibt viel zu tun, um der Energiewende wirklich zum Erfolg zu verhelfen.

Schleswig-Holstein konnte sich vor allem durch seinen konsequenten Ausbau der Windenergie an die Spitze setzen und Baden-Württemberg profiliert sich durch seine ehrgeizigen Klimaziele sowie die Umstellung auf klimafreundliche Heiztechnologien. Drittplatziert ist Bayern bei der Solar- und Bio-Energie stark, vernachlässigt dafür aber seinen Windkraft-Ausbau. Darüber hinaus bekam Niedersachsen ein Sonderlob für seine Forschungsinvestitionen und seine Anstrengungen für einen technologischen und wirtschaftlichen Strukturwandel. Auf einer Punkte-Skala von 0 bis 10 erreichen aber auch die genannten Bundesländer nur etwas mehr als die Hälfte der Maximal-Punktzahl.

Bundesländer haben Stärken und Schwächen bei Energiewende

Insgesamt 61 Kriterien haben die Forscher des DIW für ihren zum sechsten Mal durchgeführten Bundesländer-Vergleich untersucht. Dazu zählen so unterschiedliche Felder wie die CO2-Emissionen durch die Energieerzeugung, die Anzahl der Elektro-Tankstellen oder die Ausgaben für die Erforschung klimafreundlicher Technologien. Je nachdem, worauf man schaut, präsentiert sich Deutschland als Energiewende-Flickenteppich mit unterschiedlichem Muster. Beispielsweise glänzt Hamburg bei der Zulassung von Elektro-Fahrzeugen und hat wie die anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen gegenüber der letzten Untersuchung 2017 viel aufgeholt. Mit nur 4,8 Prozent Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung 2017 liegt die Hansestadt in dieser Hinsicht aber auf dem letzten Platz. Auch wenn Großstädten nur bedingt mit Flächenländern verglichen werden können, ist das eine schwache Quote.

Das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen schneidet als traditionelles Kohle-Land mit 12,6 Prozent Anteil  ebenfalls schlecht ab und tut auch noch zu wenig dafür, dass sich die Bilanz schnell verbessert. Zum Vergleich: Der Bundesschnitt lag 2018 bei etwa 38 Prozent. Lob erhält NRW immerhin für seine Förderprogramme und seine Energieagentur. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt können mit dem Anteil der Beschäftigten im Erneuerbaren-Sektor überzeugen. Dafür hat Mecklenburg-Vorpommern im Gesamtergebnis am stärksten nachgelassen und hat etwa bei der Systemintegration erneuerbarer Energien Nachholbedarf.