Windkraft stürmt von einem Rekord zum nächsten

Dank der Winterstürme jagt ein Windstromrekord den nächsten. Der vermeintliche Erfolg der Windenergie legt jedoch auch die Versäumnisse beim Netzausbau offen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:40

Die deutsche Windenergiebranche erfreut sich diesen Winter an einer Jagd nach neuen Rekorden. Die ersten schweren Winterstürme des neuen Jahres „Elon“ und „Felix“ stellten den erst im Dezember 2014 durch Sturmtief „Billie“ erreichten Rekordwert von 29.000 Megawatt ein. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Tennet wurden an den Sturmtagen der vergangenen Woche rund 30.700 Megawatt in das Netz eingespeist. Das entspricht etwa der Leistung von 25 Atomkraftwerken. Meteorologen zufolge sind die Aussichten für die weitern Wintermonate stürmisch. Damit stehen die Chancen nicht schlecht, dass der ebenfalls im vergangenen Monat aufgestellte monatliche Windstromrekord schon bald ebenfalls vom Thron gestoßen wird. Im Dezember wurde mit insgesamt 8,9 Milliarden Kilowattstunden so viel Strom produziert wie noch nie.

Stürme kosten Verbraucher Millionen


Obwohl die immer neuen Rekordzahlen auf den jüngsten Ausbau von Windanlagen hindeuten, besteht nicht nur Grund für Lob und Freude. Die Stürme haben erneut gezeigt, dass der Netzausbau massiv hinterherhinkt und das bestehende Netz den Strommengen zu Spitzenzeiten nicht gewachsen ist. Um eine Überlastung der Stromleitungen zu verhindern mussten die Netzbetreiber massive Markteingriffe vornehmen, die insgesamt Kosten in Höhe von 13 Millionen Euro verursachten.

Zu Spitzenzeiten wurden am Wochenende rund 300 Windräder mit einer Leistung von zusammen 800 Megawatt abgestellt. Während in Norddeutschland die Kraftwerke gedrosselt werden mussten, wurden in Süddeutschland zahlreiche Kraftwerke zusätzlich hochgefahren, da die Nord-Süd-Trasse den Strommassen nicht gewachsen war. Die durch die Aufrechterhaltung der Netzsicherheit entstandenen Kosten werden über die Netzentgelte mit der Stromrechnung alle Verbraucher abgewälzt werden.

Quelle:
Spiegel Online
Rheinische Post
WELT