Zur „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“: Wie steht es um Müll in der EU?

Abfall ist eins der gegenwärtigsten Probleme und das in vielerlei Hinsicht. Will man die Schäden durch Müll eindämmen, bleiben einem nicht viele Möglichkeiten, denn Abfall gehört zum Alltag von fast jedem von uns. Die einfachste Lösung ist und bleibt: Abfall vermeiden.

von Helena Fischer
News

Datum: 21.11.2018 11:54

Seit letzten Samstag läuft eine europaweite Initiative der EU, die „Woche der Abfallvermeidung“. Unter dem Motto „Bewusst konsumieren – richtig entsorgen“ werden Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen in der kommenden Woche dazu aufgefordert, bewusst darauf zu achten, Müll zu vermeiden. Zahlreiche Projekte, die sich mit der Problematik „Müll“ befassen, gehen in dieser Woche an den Start. Bevor man sich aber in das riesige Themengebiet „Abfall“ stürzt gilt es, sich erstmal darüber im Klaren zu werden, in welchem Maße und aus welchen Quellen der Abfall in Europa entsteht.

Woher kommt der Müll?

Woher kommen denn eigentlich diese riesigen Mengen an Abfall? Die Gegenstände, die wir nutzen und konsumieren, werden früher oder später zu Müll, der entsorgt und behandelt werden muss. 2014 belief sich das gesamte Abfallaufkommen in der EU auf gewaltige 2,5 Milliarden Tonnen, wobei kleinere Länder natürlich weniger Abfall produzieren. Pro Einwohner liegt Deutschland mit 4,8 Tonnen im Mittelfeld. Bulgarien (24,9 Tonnen), Finnland (17,6 Tonnen) und Schweden (17,2 Tonnen) verursachen pro Einwohner am meisten Müll. Der Großteil des Abfalls stammt aus dem Baugewerbe (34,7 %), gefolgt vom Bergbau. Aus privaten Haushalten stammen 8,3% – damit liegt diese Müllquelle auf Platz 4. Auch in Deutschland liegt die Baubranche weit vorne, dicht gefolgt von Müll aus wirtschaftlichen Tätigkeiten und der Warenherstellung.

Unter dem Müll ist neben leicht recyclebaren Abfällen wie Biomüll auch Plastikmüll vorhanden – eines der größten Probleme in Sachen Umweltschutz. Seit 1950 wurden 8,3 Mrd. Tonnen Kunststoff erzeugt, das entspricht in etwa dem Gewicht von 80.000.000 Blauwalen. Jeder Deutsche produziert durchschnittlich 37 kg Plastikmüll pro Jahr, der nur aus Verpackungsmüll stammt. Deutschland ist außerdem Spitzenreiter beim Plastikverbrauch in Europa. Ganz Europa macht ein Viertel des weltweiten Plastik-Verbrauchs aus.

Was passiert mit dem Müll?

Wie die europäischen Länder mit ihren Abfällen umgehen, ist sehr unterschiedlich. Erfreulich wäre natürlich, wenn alle Länder sich an Belgien ein Beispiel nehmen würden: Das Land schafft es nämlich, 74% des gesamten Mülls zu recyceln. Allerdings sieht die Bilanz in anderen europäischen Ländern nicht so rosig aus. Bulgarien und Rumänien deponieren über 90% ihres Mülls und recyceln nur 2-3%. Damit nutzen sie hauptsächlich die schädlichste Abfallentsorgung für die Umwelt. Aber auch Malta, Griechenland, Zypern, Kroatien, Lettland, Slowakei, Spanien, Ungarn, Tschechien und Portugal deponieren allesamt mindestens 60% ihres Mülls.

Im Durchschnitt werden in Europa gut ein Drittel aller Abfälle recycelt. In 16 der 28 EU-Mitgliedsstaaten werden immerhin mehr als 40% recycelt. Verständlicherweise sieht die EU hier immer noch Handlungsbedarf. Die Recyclingquote von Plastikmüll in Deutschland ist immerhin von 3% im Jahr 1991 auf 50,2 % im Jahr 2014 gestiegen, mit einer weiter zunehmenden Tendenz. Grund für die positive Entwicklung ist größtenteils die Mülltrennung, bei der mithilfe des Grünen Punkts oder des gelben Sacks Kunststoff leichter und effizienter getrennt und wiederverwertet werden kann. Solche Systeme gibt es aber noch längst nicht in allen EU-Staaten.

Was tut die EU gegen (Plastik-)Abfall?

Selbstverständlich hat die EU sich vertraglich auf Maßnahmen geeinigt, um vor allem Plastikmüll zu reduzieren. In aller Munde sind zurzeit die Verbote vieler Einwegprodukte aus Plastik, wie beispielsweise Strohhalme. Durch diese Maßnahmen soll vor allem Produktion und letztendlich Verbrauch eingeschränkt werden. Beim bereits entstandenen Müll allgemein geht es allerdings vor allem um das Recycling. Im „Paket zur Kreislaufwirtschaft“ stellte die EU im letzten Jahr neue Recycling-Ziele vor. Bis 2025 sollen mindestens 55% der Siedlungsabfälle in der EU recycelt werden, zudem 65% aller Verpackungen. Außerdem soll die Deponierungsquote für Abfälle bis 2035 auf höchstens 10% verringert werden.

Die „Woche der Abfallvermeidung“ ist aber auch eine Maßnahme, um das Bewusstsein für Konsum um Abfall zu steigern. Neben Vorträgen zu Themen wie Ressourcenschutz und Abfallvermeidung, geht es vor allem aber um Projekte in Europas Städten, Schulen und Organisationen. Die Auszeichnung „Beste Aktion zur Abfallvermeidung“ im letzten Jahr ging an Bluepingui e.V. Der Verein widmete sich intensiv der Thematik der Einweg-Brottüten und arbeitete mit einigen Kooperationspartnern, zum Beispiel Bäckereien, an einem Mehrwegbrotbeutel.

Vielleicht kann die laufende Woche auch für alle Privatpersonen zum Anlass genommen werden, ganz bewusst darauf zu achten, weniger Müll zu verbrauchen oder bestenfalls ganz auf Müll zu verzichten. Tipps und Tricks für einen nicht ganz müllfreien, aber zumindest plastikfreien Alltag haben wir hier zusammengestellt.

Weitere Quellen:

https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten/