Frankreichs Einstellung zu erneuerbaren Energien und seinen alternden Atomkraftwerken

Nachdem in Amerika ein neuer Präsident gewählt wurde, der den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen hält, steht Frankreich noch vor der Präsidentschaftswahl. Auch dort wird der kommende Regierungschef ausschlaggebend für die Zukunft erneuerbarer Energien im Land sein.

von Christina Schröder
News

Datum: 24.01.2017 13:34

Anstatt auf erneuerbare Energien zu setzen, baut Frankreich weiterhin auf die altbewährten Atomkraftwerke und will deren Laufzeit auf 40 Jahre ausdehnen. Auch die mögliche Wahl des Konservativen François Fillon würde voraussichtlich zu einem Stopp der Energiewende im Land führen. Dieser hält nämlich nichts von dem Ausstieg aus der Atomkraft, sondern möchte damit lieber den Ausstoß des Treibhausgases CO2 reduzieren.

Spitzenreiter in der Nutzung schmutziger Energie


Frankreich gehört seit je her zu den Ländern, die sich mit der Umstellung auf regenerative Energien schwer tun. Mit 58 Reaktoren erzeugt unser Nachbarland rund drei Viertel seines Stroms aus Atomkraft. Damit zählt Frankreich zu den Spitzenreitern in der Nutzung atomarer Energie. Folglich steuern erneuerbare Energien nur 16,5 Prozent zur Gesamtenergieerzeugung bei – in Deutschland sind es fast doppelt so viel. Doch während Deutschland sich auf den Klimawandel einstellt, sorgt die Atom-Situation im angrenzenden Land für Beunruhigung. Aufgrund geplanter Wartungen oder infolge von Kontrollen der Atomaufsicht wurden einige Reaktoren des Betreibers EDF zeitweise stillgestellt. Zwar haben die meisten EDF-Werke inzwischen wieder grünes Licht bekommen, allerdings muss ein möglicher Skandal bezüglich gefälschter Unterlagen von AKW-Bauteilen des Betreibers Areva geprüft werden. Der Reaktor 2 des elsässischen Areva-Kraftwerks Fessenheim an der deutschen Grenze ist wegen eines Bauteils aus dem Werk Le Creusot bereits seit vergangenen Sommer stillgelegt. Die endgültige Schließung des Atomwerks würde mit der Wahl von Fillon aber gestoppt werden.

Frankreich investiert Milliarden in alternde Kraftwerke


Die eisige Frostwelle in der letzten Woche hatte den alten Kraftwerken zu schaffen gemacht, Frankreich war teilweise auf Importstrom angewiesen. Der Chefaufseher der Atomaufsicht ASN Chevet hält die Atomsicherheit bei einer solchen Wetterlage für besorgniserregend und spricht von einer großen Herausforderung.
Auch die wirtschaftliche Lage der Branche steht unter keinem guten Stern: Der Staat baut die Industrie um und schießt ihr Milliarden zu, um den angeschlagenen Atomkonzern Areva zu retten. Um ihn weiter zu entlasten, übernimmt der Stromriese EDF das Reaktorgeschäft. Für das Unternehmen ein hoher finanzieller Aufwand, denn die Instanthaltung der alternden Atomparks birgt viele Kosten. Frankreich möchte die Laufzeit der zum Teil 30 Jahre alten Werke bis über 40 Jahre ausdehnen.

Quellen:
Wiwo Green
Focus