Deutschland im Castor-Chaos: Wohin mit dem Atom-Müll?

In den Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield (GB) und La Hague (F) stehen derzeit 26 Castoren für ihre Rückreise nach Deutschland bereit. Doch wo sie hier zwischengelagert werden sollen, weiß bisher keiner. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant eine bundesweite Lösung.

von Matthias Epkes
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Datum: 11.11.2015 13:48

Im Prinzip klingt es ganz einfach. Der Abfall, den die Atomkraftwerke hier in Deutschland produzieren, wird in den Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague aufbereitet. Anschließend wird der radioaktive Abfall über Zwischenlager in einem großen zentralen Endlager für immer weggelegt. So einfach ist die Theorie, anders sieht die Praxis aus.

Castor-Frage endet im Länderstreit


2013 konnte man sich landesweit darüber einigen, dass Gorleben als dieses zentrale Endlager ausscheidet. Eine Alternative konnten Bund und Länder bisher nicht finden. Zudem auch klar war, dass Gorleben als weiteres Zwischenlager ebenso ausfällt. Zu viel habe man bisher dem Land Niedersachsen in der Castor-Frage abverlangt. Nun seien auch die anderen Länder dran. Immerhin erklärten sich Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein bereit, den radioaktiven Müll teilweise aufzunehmen, der noch im Ausland steht. Allerdings sollen auch Unions-geführte Länder dabei mitziehen. Das ist Bedingung der beiden Länder. Unionsländer, die über AKWs verfügen, sind derzeit Bayern und Hessen, die sich in dieser Frage zieren.

Schleswig-Holstein meldet sich freiwillig – fällt aber wohl doch aus


Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet droht nun Schleswig-Holstein als möglicher Standort für ein Zwischenlager auszufallen. Kiel hatte angeboten, den Abfall im Zwischenlager des AKW Brunsbüttel zu lagern. Allerdings untersagt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die Unterbringung aufgrund von Sicherheitsbedenken. Das Land verfügt zwar über zwei weitere Zwischenlager, diese scheiden wohl wegen Platzproblemen aber als Lösung aus. Hoffnung besteht vor allem noch dadurch, dass eventuell der Stromversorger Vattenfall eine Erlaubnis für Brunsbüttel einholt oder über eine Verfassungsklage nachdenkt.

Derweil gab die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bekannt, den Müll bundesweit verteilen zu wollen. In einem bundesweit ausgewogenen Verhältnis sollten die Castoren auf mehrere Plätze verteilt werden. Hierzu wird aktuell ein Konzept im Ministerium ausgearbeitet. Somit könnten auch die bisherigen Verweigerer aus Bayern und Hessen wieder in den Fokus der Castoren-Frage rücken.

Für Atom-Müll werden Millionen fällig


Für die AKW-Betreiber stellt sich folgndes Problem: Da sie nicht wissen, wo sie ihren Müll lagern sollen und dürfen, stellen sie keine Anträge auf Unterbringung. Ohne Anträge gibt es keine Genehmigungen. Hinzu kommt, dass die derzeitigen Zwischenlager bei den einzelnen Kraftwerken den aufgearbeiteten Atommüll nicht ohne weiteres aufnehmen können. Dafür sind spezielle, technische Voraussetzungen nötig, die viele Millionen Euro verschlingen würden. Die Betreiber Eon, RWE, Vattenfall und EnBW sind hierzu nur bedingt bereit.
Unsummen an Kosten werden die 26 Castoren wohl so oder so verschlingen, obwohl sie sich noch im Ausland befinden. Geplant ist, dass sie in den kommenden Jahren nach Deutschland verfrachtet werden. Geschieht dies nicht, werden hohe Standortmieten fällig. Während sich also Bund, Länder und Betreiber die Verantwortung und Zuständigkeiten gegenseitig zuschieben, gehen die Kosten weiterhin in die Millionen.

Quelle:
Die Zeit
Frankfurter Runddschau
Spiegel
Artikel der Süddeutschen Zeitung, 30.01.2015