In Dänemark entsteht die größte Windgas-Anlage Europas

Dänemark ist ein kleines Land, nicht einmal sechs Millionen Menschen leben hier. Doch beim Thema Erneuerbare Energien ist unser nördlichster Nachbar längst ein Big Player: Bis 2020 will das Land mindestens 50 Prozent seines Stromverbrauchs mit Windkraft decken, bis 2035 soll der Strom- und Wärmesektor ausschließlich durch erneuerbare Energien versorgt werden.

von Victoria Schöndelen
News

Datum: 23.05.2016 17:51

Letztendlich sollen im Jahr 2050 alle Energiesektoren von fossilen Brennstoffen unabhängig zu sein. Da scheint es nur logisch, dass einige internationale Energie-Unternehmen die dänische Handelsstadt Hobro als Standort für ein ambitioniertes Projekt ausgewählt haben: Hier entsteht eine der größten und modernsten Windgas-Anlagen Europas. Anfang 2017 soll diese in Betrieb genommen werden, dafür haben die Beteiligten 15 Millionen Euro in die Hände genommen.

Ambitioniertes Windprojekt


Genauer gesagt verbirgt sich hinter „HyBalance“, so der Name des Projekts, eine Produktionsanlage für Wasserstoff aus Windenergie. Mit Hilfe von überschüssig erzeugter Windkraft soll hier Wasser per Elektrolyse in Wasser- und Sauerstoff getrennt werden. In einem zweiten Schritt kann der dadurch gewonnene Wasserstoff unter Verwendung von Kohlenstoffdioxid in Methan umgewandelt werden – eine synthetische Alternative zum natürlichen Erdgas.

Power-to-Gas: Idee mit Zukunft oder nicht effizient genug?


Power-to-Gas nennt sich dieses Geschäftsmodell, Testanlagen haben gezeigt, dass das Konzept zukunftsweisend sein könnte. Bei der Umwandlung zu Methan geht allerdings bisher ungefähr ein Drittel der Energie verloren, der Anschluss an das gut ausgebaute dänische Erdgasnetz ist deshalb zunächst noch nicht besonders rentabel. Der Wasserstoff kann allerdings auch gelagert und bei Bedarf wieder in Strom generiert werden. Hierin liegt das Kernanliegen der Betreiber von „HyBalance“: Der durch das Verfahren gewonnene Wasserstoff kann die wirtschaftliche Speicherung von überschüssigen Windstrom möglich machen und somit Schwankungen in der Netzspannung ausgleichen. Eingespeist werden soll dieser Strom vor allem in den Verkehr und die Industrie.

Kritischen Stimmen, die die Effizienz der Methode in Frage stellen, begegnet die Anlage in Hobro mit einer innovativen „Proton Exchange Membrane“: Im Gegensatz zu den üblichen alkalischen Verfahren ist es damit möglich, innerhalb von Millisekunden auf große Sprünge bei der Stromproduktion zu reagieren.

Auch hierzulande ist das Geschäft mit dem Wasserstoff von Interesse: Eine Untersuchung des Analyseinstituts Energy Brainpool ergab, dass auch Deutschland bis zum Jahr 2014 mindestens 14 Gigawatt der Power-to-Gas-Anlagen für die Stromdeckung benötigen wird. Umweltbewusste Verbraucher unterstützen die Technik bereits jetzt: Der „Pro-Windgas“-Gastarif des Energieversorgers Greenpeacy Energy stößt auf unerwarteten Zulauf – trotz eines Preises über Marktniveaus.

Quellen:
n-tv.de
green-wiwo.de
topagrar.com