Klimaziele: Deutschland versäumt eigene Vorgaben

Deutschland wird seine Klimaziele nicht erreichen. Das zeigen Berechnungen des Bundesumweltministeriums. Damit steht mehr auf dem Spiel als nur ein nationaler Missstand. Das Scheitern war jedoch lange abzusehen.

von Katharina Korczok
News

Datum: 11.10.2017 15:10

Im Wahlkampf wurde darum nicht gestritten: Kohlekraft in Deutschland. Während Erneuerbare Energien ausgebaut werden, bleiben Kohlekraftwerke am Netz. Der Anteil von besonders klimaschädlicher Braunkohle hat sich seit 1990 kaum verändert, auch der Anteil von Steinkohle nahm nur in kleinen Teilen ab. Mit einem steigenden Anteil von erneuerbaren Energien hat Deutschland damit vor allem Eins: Mehr Strom.

Bevölkerungswachstum und Wirtschaftshoch lassen Strombedarf steigen

Grund dafür ist die erhöhte Nachfrage. Deutschlands Bevölkerung wächst. Zuwanderung und eine steigende Geburtenrate führen vor allem in den Haushalten zu einem Mehrbedarf an Elektrizität. Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt zudem für einen höheren Stromverbrauch in der deutschen Industrie. Abseits der Stromproduktion tragen die starke Wirtschaft und günstige Ölpreise zu einem höheren CO2-Ausstoß bei. Das Verkehrsaufkommen wächst mit der deutschen Wirtschaft und auch die Haushalte sind bei günstigen Diesel- und Spritpreisen weniger sparsam. Angestrebt war, bis 2020 nicht mehr als 750 Millionen Tonnen CO2 zu emittieren. Dass Deutschland dieses Ziel nicht erreichen wird, zeigte bereits Ende 2016 eine von Umweltverbänden in Auftrag gegebene Studie. In einem internen Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, gibt auch das Bundesumweltministerium jetzt an, dieses Ziel um fast 100 Millionen Tonnen zu verfehlen. 844 Millionen Tonnen des Treibhausgases wird Deutschland 2020 noch produzieren. Im Vergleich zu 1990 beträgt die Einsparung weniger als 33 Prozent.

Versäumnisse zehren an Deutschlands Glaubwürdigkeit in Klimafragen

Bereits im den vergangenen Jahren zeigte sich, dass Deutschland seine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einbüßen musste. Im Verkehr setzt China neue Maßstäbe mit einer massiven Förderung von Elektroautos, Indien entwickelt sich zum größten Solarenergiemarkt der Welt und Länder wie Dänemark oder Norwegen zeigen, wie neue urbane Verkehrskonzepte die Feinstaubbelastung in Großstädten minimieren können. Das Scheitern Deutschlands an seinem selbstauferlegten Ziel folgt aus einer Reihe von Versäumnissen. Während die Energiewende fast schon als deutsches Trademark gilt, versäumt sie doch andere relevante Felder für den Umweltschutz in eine stringente Klimapolitik einzubinden. Energieeffizienz ist in Deutschland nicht vielmehr als eine Floskel, wenn ein flächendeckender Plan ausbleibt, der alle Haushalte erreichen kann. Wärme ist für fast 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs verantwortlich, doch der Anteil erneuerbarer Energien stieg dort in den letzten vier Jahren um ein mageresProzent. Das steigende Verkehrsaufkommen war mit einem einhergehenden Wirtschaftswachstum vorhersehbar. Dennoch fehlte ein klares Bekenntnis zu Elektro-Mobilität sowie eine Absage an Dieselmotoren. International dürfte das Versäumnis Deutschlands Glaubwürdigkeit in Klimaschutzfragen schmälern. Gerade für die USA ein Vakuum, das Donald Trump in seinem Feldzug für Amerikas Kohleindustrie unterstützen kann. Ein Weg, den Deutschland ohne Festlegung eines klaren Kohleausstiegs nicht mehr überzeugend kritisieren kann.