Zukunft der Elektrofahrzeuge: Mit Vollgas und Handbremse

Die E-Mobilität kommt in Deutschland nicht so recht vom Fleck. Das liegt unter anderem an den (noch) zu großen Nachteilen, die die Elektrofahrzeuge mit sich bringen. Allerdings ist auch die Politik gefordert neue Anreize zu schaffen. Wie es gehen kann, zeigen Länder wie Norwegen oder die Niederlande.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:56

Die Niederlande gehen beim Thema „Elektromobilität“ in die Offensive. Vor allem die Unternehmen FastNed und ABB wollen das Land mit neuen Ladestationen bedecken. Bis Ende des Jahres sollen es 200 sein. So gibt es dort auch viele Stellplätze, z.B. in Parkhäusern, an denen man das eigene Fahrzeug umsonst aufladen kann. Die Niederlande sind für dieses Vorhaben bestens geeignet. Es ist nur ein kleines Land. Somit sind die Wege, die man dort hinter sich bringen möchte, deutlich kürzer. Zusätzlich sind Bevölkerung und auch die Politik modernen Technologien insgesamt aufgeschlossener. Anders als in Deutschland, muss die Politik hier auch nicht große Automobilkonzerne auf seine Seite bringen, um so ein Vorhaben in die Tat umsetzen zu können.

Ähnlich erfolgreich ist die Elektromobilität in Norwegen. Dort wurde der Golf von der sportlichen Limousine Tesla S von der Spitze verdrängt. Die amerikanische Firma Tesla stellt nur Elektrofahrzeuge her. Der Kaufgrund ist simpel: sowohl in den Niederlanden als auch in Norwegen gibt es enorme finanzielle Vorteile für Personen, die den Anschaffungspreis bis zur Hälfte kürzen können. Das Modell Tesla S kostet normal bereits 75.000 Euro.

Deutschland mit angezogener Handbremse bei E-Mobilität


Die Bundesregierung legte ähnlich forsch den Plan fest, dass 2020 bis zu einer Millionen Elektrofahrzeuge Deutschlands Straßen befahren. Anfang 2015 waren es allerdings erst 19.000 reine Elektrostromer. Warum die neue Technologie noch keinen größeren Erfolg hatte, liegt an zwei handfesten Argumenten: Preis und Reichweite. Die Anschaffungskosten sind derzeit viel zu hoch. Auch wenn steuerliche Vorteile und günstige Ladekosten als Anreiz wirken, so sind 35.000 Euro, die z.B. BMW für seinen kleinen Stromer BMW i3 aufruft, deutlich zu hoch. Zudem ist die Reichweite zu gering. Als Zweitauto oder Stadtflitzer wäre es noch denkbar, doch als Langstreckenfahrzeug taugen die modernen, abgasfreien Fahrzeuge kaum. Außerdem ist der Ausbau von flächendeckender Lademöglichkeiten zu wenig vorangeschritten.

Elektrofahrzeugen wird große Zukunft prophezeit


Auch wenn die Zahlen der Bundesregierung sehr kühn anmuten, sagen Experten der Elektromobilität eine große Zukunft voraus. Immer wieder liest man von einem bevorstehenden „Kodak Moment“, der auch den Elektrostromern bevorsteht. Mit diesem Kodak-Moment, oder auch Tipping-Point genannt, werden Umschwünge in der Wirtschaft und Industrie bezeichnet, die weitreichende Veränderungen nach sich ziehen. So auch im Falle von Kodak. Das Unternehmen verschlief die digitale Fotografie und stürzte ab. So könnte es, glaubt man Trendforschern, auch Automobilfirmen blühen, die der neuen E-Mobilität nicht die entsprechende Aufmerksamkeit widmen. Der Verbraucher kann sich auf Weiterentwicklungen freuen. Da sich vieles in den Kinderschuhen befindet, werden sich Aufladezeiten, Reichweiten und Anschaffungskosten noch erheblich verbessern. Dadurch wird der Kauf eines reinen Elektroautos deutlich reizvoller werden.

Quellen:
Deutschllandfunk
Focus
Zeit
bundesregierung.de