Geplante EU-Sanktion: Höhere Strompreise in Süddeutschland

Im Süden Deutschlands könnten die Strompreise bald kräftig ansteigen – das wäre laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zumindest das voraussichtliche Ergebnis einer geplanten Sanktion der EU-Kommission. Anlass ist der nur schleppend vorangehende Ausbau des deutschen Stromnetzes, das zur Zeit nicht über genügend Kapazitäten verfügt, um Energie vom fleißig produzierenden Norden in die unterversorgten südlichen Teile des Landes zu transportieren.

von Victoria Schöndelen
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Datum: 17.06.2016 16:45

Stattdessen wird der überschüssige Strom zu Spottpreisen in die leichter erreichbaren Netze in Polen und Belgien eingespeist – die dort ansässigen Versorger machen so Milliardenverluste. Dänemark wiederrum würde gerne seinen Strom ebenfalls nach Süddeutschland exportieren und hat wegen der Netzengpässe Beschwerde in Brüssel eingelegt. Eine zügige Besserung der Situation ist nicht in Sicht, die geplanten Stromtrassen werden voraussichtlich erst 2025 fertig gestellt.

Deutsches Zwei-Preiszonen-System treibt Preise in die Höhe


Um diese „Quelle politischer Konflikte“ einzudämmen und die Integration der west- und ostdeutschen Strommärkte voranzutreiben, denkt die EU über schnelle Sanktionen für Deutschland nach. Ein konkreter Plan wurde dem Bundeswirtschaftsministerium unter der Leitung von Sigmar Gabriel in ersten Gesprächen bereits vorgelegt: Deutschland soll in zwei Preiszonen aufgeteilt, Süddeutschland ausschließlich mit süddeutschem Strom und Norddeutschland mit norddeutschem Strom versorgen werden. Die Energie-Unterversorgung im Süden hätte dort höhere Preise zur Folge – Verbraucher in Bayern und Baden-Württemberg müssten dann möglicherweise bis zu zehn Prozent mehr zahlen als ihre norddeutschen Mitbürger. In Schweden ist diese Unterteilung bereits Realität, dort gibt es sogar vier unterschiedliche Tarifgebiete.

Plan als Anreiz für Investitionen in Windkraftanlagen – Experten warnen


Um einen Einbruch des deutschen Energiehandels zu vermeiden, müssen Netzbetreiber immer häufiger Windkraftanlagen im Norden ab- und Kernkraftwerke im Süden des Landes anstellen. Spätestens 2022, wenn die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen sollen, könnte diese Vorgehensweise problematisch werden. Für die EU liefert das geplante Zwei-Preiszonen-System deshalb auch einen Anreiz, in neue Windkraftanlagen im Süden zu investieren.
Experten sehen das Vorhaben allerdings kritisch: Vertreter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung warnen, dass die unterschiedlichen Preiszonen die Unsicherheiten am Markt steigern würden. Außerdem seien die Preisunterschiede letztendlich nicht groß genug, um die erhofften Investitionen in den Windkraftausbau tatsächlich leisten zu können.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung
Huffington Post