Erneuerbare Energien im Kostenwettbewerb

Wie können wir in Zukunft günstig und klimafreundlich Energie produzieren? Gesicherte Zahlen über die Kostenentwicklung aller Energieformen gibt es nicht, doch eine neue Studie wagt aus dem Querschnitt der Schätzungen eine Prognose.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 12.11.2014 11:56

Beim Für und Wider zum Thema erneuerbare Energien findet zwangsläufig der Kostenfaktor früher oder später Eingang in die Diskussion. Allerdings herrscht auch in Fachkreisen keine Klarheit über diesen nicht unbedeutenden Aspekt. Die umgehenden verschiedenen Werte weisen je nach Gewichtung unterschiedlicher Parameter große Differenzen auf. So setzen sich die Stromentstehungskosten aus Brennstoffpreisen, Investitionskosten und dem Preis für CO2-Zertifikate zusammen, hinzu kommen Errichtungs- und Betriebskosten der Kraftwerke, die sich unter anderem aus der Auslastung und Laufzeit der Anlagen und Verzinsung auf Baukredite berechnen. Die halbstaatliche Agentur für Erneuerbare Energien hat im Rahmen einer Metastudie einen Querschnitt aus diversen Kostenstatistiken gezogen. Das Ergebnis gibt einen Überblick über die Bandbreite der Schätzungen der Kosten von einzelnen Energieformen in der Gegenwart und Zukunft.

Kontinuierlicher Kostenverfall bei erneuerbaren Energien


Je nach Fülle an Studien wurde für die jeweiligen Energieformen aus zwei bis neun Werten ein Durchschnitt errechnet, der trotz der Unterschiedlichkeit der Schätzungen eine Vorstellung von den tatsächlichen und zu erwartenden Kosten gewährt. Demnach können die erneuerbaren Energien durchaus mit konventionellen Energieerzeugungsmitteln mithalten.

Für Solarenergie zeigt sich, dass der massive Preisverfall der letzten Jahre noch unterschätzt wurde. Im Jahr 2030 liegen die Erwartungen der Experten zwischen sechs und vierzehn Cent je Kilowattstunde.
Auch bei Windenergie zeigen die Studien starke Preissenkungen an. Während derzeit die EEG-Vergütung für Offshore Windenergie zwischen 15,4 und 10,4 liegt, werden die Kosten den Studien zufolge 2020 zwischen neun und 13 Cent liegen. Bis 2020 schneidet Windenergieproduktion an Land mit vier bis sieben Cent pro Kilowattstunde wahrscheinlich besser ab. Dies wird sich 2030 jedoch den Schätzungen nach umdrehen, sodass Offshore Windenergie dann etwas günstiger sein könnte.
Einzig bei Biogas und Biomasse scheint der Rahmen für große Preissenkungen ausgeschöpft. Da die größten Kostenanteile die Arbeitskraft und die verwendete Biomasse sind, kann durch technische Weiterentwicklung kaum etwas an der Preisschraube verändert werden. So schätzen die meisten Studien die Kosten für Biostrom im Jahr 2020 auf über zehn Cent je Kilowattstunde.

Fossile Energie steht und fällt mit dem Emissionshandel


Die Kostenentwicklung der fossilen Energieträger ist hingegen schwerer abzuschätzen. Die größere Bandbreite bei den Schätzungen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Kostenentwicklungen von Erdgas und Kohle schwierig vorauszusagen sind. Gleichzeitig ist derzeit kaum abzusehen, wie stark der CO2-Zertifikatshandel zukünftig ausgebaut wird. Auch die Entwicklung der erneuerbaren Energien hat Einfluss auf die Kosten für Strom aus fossilen Brennstoffen. Wenn mehr grüner Strom produziert wird, stehen konventionelle Kraftwerke häufiger still, sodass die Baukosten langsamer wieder durch Stromproduktion eingespielt werden.

Für Erdgas prognostizieren fast alle Studien im Jahr 2020 Kosten von unter zehn Cent je Kilowattstunde. Bei Steinkohle sind die Zahlen weniger eindeutig. Je nach Schätzung könnten die Stromentstehungskosten 2020 noch leicht unter oder bereits etwas über den Kosten für Wind- und Sonnenenergie liegen.
Die Kostenentwicklung für Braunkohle ist aufgrund ihres großen CO2-Ausstoßes am stärksten von den zukünftigen Preisen für CO2-Zertifikate abhängig. Derzeit ist sie bei den reinen Stromproduktionskosten die günstigste Energieform. Dies könnte sich allerdings bald mit einer Forcierung des Emissionshandels ändern, sodass Wind- und Solaranlagen einigen Schätzungen zufolge mit Braunkohle mithalten könnten. Gleichzeitig könnte dies langfristig die Diskussion um umstrittene CO2-Verpressung auf die Tagesordnung bringen, da die Kostenprognosen für Kohlekraftwerke, die ihren Ausstoß auf diese Weise reduzieren, Werte unter zehn Cent je Kilowattstunde ausgeben. In Zeiten der sauberen Stromproduktion könnte dies eine Alternative zu erneuerbaren Energien darstellen.

Quellen:
Wirtschaftswoche Green
Forschungsradar.de