EVP-„Weihnachtsgrinch“: Plastik und Erdöl in unserer Kosmetik? Drogerieprodukte unter der Lupe

Auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk findet sich fast jeder irgendwann in der Parfümerie oder Drogerie wieder. Laut einer Umfrage fallen 32% der Geschenke an Weihnachten in die Kategorie „Kosmetika“ und damit liegen kosmetische Produkte auf Platz 7 der beliebtesten Weihnachtsgeschenke in Deutschland. Umso wichtiger ist es also mal zu schauen, was eigentlich in den Produkten drin steckt und welche Auswirkungen die Inhaltsstoffe auf Mensch und Umwelt haben.

von Helena Fischer
News

Datum: 14.12.2018 17:07

Fast jeder hat es schon mal gehört, dennoch wird es viel zu wenig thematisiert und kaum von uns Konsumenten beachtet: Mikroplastik in unseren Drogerieprodukten. Die Tatsache, dass nachweislich im Körper von uns allen ist, beweist auch, wie weit fortgeschritten die Thematik bereits ist. Aber nicht nur uns selbst schadet das Mikroplastik, sondern auch der Umwelt und vielen anderen Lebewesen. Denn die winzig kleinen Stoffe gelangen durch den Abfluss direkt in die Umwelt. Meerestiere können zwischen Nahrung und den kleinen Plastikpartikeln beispielsweise nicht unterscheiden, viele andere schwerwiegende Auswirkungen sind noch nicht ausreichend erforscht. Man kann sich jedoch schon denken, dass die mikroskopisch kleinen Plastikteilchen eine schwere Belastung für die Umwelt darstellen.

Für Verbraucher ist es allerdings nicht auf den ersten Blick erkennbar, welche Produkte nun Mikroplastik enthalten und welche nicht. Auf den Verpackungen tauchen häufig Inhaltsstoffe wie Nylon-12, Polyethylene, Polyethylene Terephthalate, Polymethyl Methacrylate, Polypropylene, Polystyrene oder Polyurethane auf. Sich diese komplizierten Bezeichnungen zu merken scheint ein bisschen umständlich, daher leisten mittlerweile diverse Apps Beihilfe:  zum Beispiel die App „CodeCheck: Lebensmittel & Kosmetik Scanner“, die durch das Einscannen des Bar-Codes wichtige Hinweise bezüglich gefährlicher Stoffe und Mikroplastik liefert. Es lassen sich auf der Homepage aber auch Listen finden, die einige der vielen Produkte mit Mikroplastik zeigen.

Ersatzprodukte gegen den Verpackungsmüll

Mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist das Plastik in den Produkten – trotzdem wird das Plastik um die Produkte genauso gerne übersehen. Denn fast jedes Shampoo, jedes Stück Seife und jedes Kosmetik-Produkt ist in Plastik verpackt. Viel einfacher und vor allem umweltfreundlicher wäre es, auf herkömmliche Hausmittel zurückzugreifen. Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Kernseife sind zum Beispiel wahre Wundermittel im Alltag und generieren so gut wie keinen Plastikmüll. Außerdem sind diese Stoffe naturnah und biologisch abbaubar. Tipps und Rezepte für die praktischen Ersatz-Produkte kann man hier nachlesen.

Gefährdung seltener Rohstoffe

Eins der beliebtesten Weihnachtsgeschenke in der Kategorie „Kosmetik“ ist wahrscheinlich das Parfum. Im Großteil bestehen die Düfte aus künstlich hergestellten Inhaltsstoffen, allerdings schaffen die Hersteller es nicht, alle der Stoffe synthetisch herzustellen: Eine der wichtigsten Rohstoffe der Parfümindustrie – Vetiver – wird vollkommen natürlich angebaut, geerntet und für unsere Parfums verarbeitet. Was sich erstmal umweltfreundlich anhört, ist auf den zweiten Blick aber ein schwerer Eingriff in die Umwelt, denn Vetiver gilt als gefährdeter Rohstoff. Oft werden die natürlichen Rohstoffe in armen Ländern angebaut und ihre Nachhaltigkeit kann von der Instabilität ihrer Umwelt beeinträchtigt werden. Deshalb ist es wichtig, die Pflanzen zu schützen.

Deos und Erdöl

Ein anderer Inhaltsstoff in unseren Pflegeprodukten ist Erdöl. Ja, richtig gelesen: Herkömmliches Erdöl wird zwar zu 95 Prozent für Benzin genutzt, steckt aber auch in Seifen, Duschgels, Pflegecremes und vielem mehr. Aus dem Erdöl entweichen sogenannte „Flüchtige organische Verbindungen“ (VOC) – und das schon bei Raumtemperatur. Es sind Substanzen, die man besser nicht einatmen sollte, zum Beispiel Benzindämpfe, Lösungsmittel für Farben, Haushaltsprodukte wie Putzmittel, aber eben auch: Deos und andere Produkte wie Haarspray.

Studien konnten feststellen, dass in einigen Städten die VOCs genauso zur Luftverschmutzung in der Atmosphäre beitragen wie Autoabgase. Das gesundheits- und umweltschädliche Risiko erhöht sich nochmal deutlich, wenn die Gase in geschlossenen Räumen versprüht werden. Das dürfte bei Deo und Co. meistens der Fall sein. Das Umweltbundesamt warnt daher: Zwar sind bei herkömmlichen und geringen Konzentrationen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu befürchten, dennoch können „unmittelbar nach Bau- und umfangreichen Renovierungsmaßnahmen (…), sowie bei unsachgemäßer Verarbeitung und massivem Einsatz wenig geeigneter Produkte“ gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten. Daher nach der Verwendung des Deos, Parfüms oder Haarsprays vorsichtshalber immer lüften – oder versuchen den Verbrauch zu reduzieren und andere tolle und umweltfreundliche Produkte zu Weihnachten zu verschenken.


DER EVP-WEIHNACHTSGRINCH

Weihnachten steht vor der Tür und das bedeutet für viele nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern auch eine besonders stressige. Denn es heißt wie jedes Jahr: Was nur soll ich schenken? In dieser Zeit des Jahres werden Rekordumsätze an den Kassen erzielt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet erstmals damit, dass die Schwelle von 100 Milliarden Euro überstiegen wird. Besonders der Handel über Online-Kanäle nimmt zu.

Schenken und vor allem Beschenkt-werden ist sicher eine schöne Sache und gehört zu Weihnachten dazu wie die Soße zum Festtagsbraten. Doch bei einigen Produktgruppen ist maßloser Konsum mit Folgen für Mensch und Umwelt verbunden. Daher spielen wir in diesen Wochen die Rolle des Grinch und machen in einigen Artikeln auf verschiedene Probleme aufmerksam. Nicht, um die Lust auf Weihnachten zu vermiesen, sondern zum Nachdenken anzuregen.