Der EVP-Weihnachtsgrinch: „Fast-Fashion“ oder wie die günstige Modeindustrie Mensch und Umwelt schadet

60 Kleidungsstücke gehen durchschnittlich pro Jahr in Deutschland über die Ladentheke - pro Person! Die neuste Mode lächelt einem durch die Schaufenster mit ihren günstigen Preisen zu und gerade in der Weihnachtszeit boomt das Bekleidungsgeschäft. Doch schaut man hinter die Fassade der Fashion-Trends für den kleinen Geldbeutel, tun sich Abgründe auf.

von Jule Krause
News

Datum: 12.12.2018 17:23

 „Fast Fashion“ heißt es, wenn Modeketten Kleidung billig produzieren und schnell in ihre Filialen bringen. Immer wieder kommen neue Kollektionen in die Geschäfte. Kein Wunder, dass sich die Bekleidungsproduktion von 2000 bis 2014 mehr als verdoppelt hat. Die Textilindustrie hat sich, so kann man mit Vorbehalt sagen, revolutioniert: Die schnelle Herstellung, der massenhafte Verkauf und das wenige Recycling machen Mode zur Wegwerfware par excellence. Mit Vorbehalt, da Revolution zunächst immer positiv klingt. Doch das Ganze hat seine Schattenseiten: Umwelt, Arbeiter und Gesundheit nehmen großen Schaden.

Bekleidungsindustrie ist für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als alle internationalen Flüge und Schiffe zusammen

60% unserer Kleidung enthält Polyester und kommt zum großen Teil aus asiatischen Ländern wie China, Indien und Bangladesch. Für die Herstellung der synthetischen Fasern wird Erdöl benötigt, welches immer knapper wird, da es nicht erneuerbar ist. Auch Kleidung aus Baumwolle ist nicht unproblematisch, da der Baumwollanbau in den meisten Fällen mit einem enormen Verbrauch von Wasser (mindestens 7000 Liter pro Kilogramm), Düngern und Pestiziden verbunden ist, welche die Gewässer verunreinigen. In China gelten bereits zwei Drittel aller Seen und Flüsse als verschmutzt. Für die Herstellung der Textilien in den Fabriken in Fernost wird darüber hinaus viel Energie aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken genutzt.  Im Jahr 2011 hat der Kauf und die Verwendung von Kleidung so mehr als 850 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht, was 3% der globalen CO2-Emissionen ausmacht. Die Bekleidungsindustrie ist für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als alle internationalen Flüge und Schiffe zusammen. Und als seien dies nicht genug Umweltfolgen, lösen sich die synthetischen Mikrofasern auch in der heimischen Waschmaschine und landen letztendlich in Flüssen und Meeren. Das Mikroplastik-Problem wird immer weiter verstärkt.

Riesige Müllberge und wenig Recycling belasten die Umwelt

Auch der entstehende Müll stellt eine große Belastung für die Umwelt dar. Der durchschnittliche Europäer „verbraucht“ 20 Kilogramm Textilien im Jahr. Während der Verkauf von Kleidung in den letzten 15 Jahren nämlich weltweit um das doppelte angestiegen ist, hat sich die durchschnittliche Tragedauer eines Kleidungsstückes drastisch verkürzt. 40 Prozent der Kleider im Kleiderschrank ziehen wir statistisch gesehen selten oder nie an. Doch wie sieht es mit Altkleidercontainern aus, sind die keine umweltfreundliche Alternative zum Wegwerfen? Jein. Ein Großteil der so gesammelten Kleidung, ungefähr 1 Millionen Tonnen jährlich, wird nach Asien und Afrika verschifft und dort verkauft, sodass mittlerweile ein Millionengeschäft entstanden ist. Der Rest landet auf Deponien. Ca. ein Viertel der deutschen Altkleider wird recycelt, allerdings größtenteils zu Putzlappen – die am Ende auch wieder im Müll landen.

Katastrophale Arbeitsbedingungen für die Arbeiter in den Produktionsländern

Und damit nicht genug: da bei der Produktion viele giftige Chemikalien eingesetzt werden, sind die Arbeiter in den Herstellerländern einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. In Myanmar hat sich ein Drittel der Arbeiter schon einmal bei der Arbeit verletzt. Hinzu kommt der sehr geringe Lohn: Bei einem T-Shirt was wir hierzulande für 29 Euro kaufen können, gehen beispielsweise gerade einmal umgerechnet 18 Cent an alle Arbeiter- insgesamt. Kurzum: Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal. 

Bewusstsein für nachhaltig produzierte Kleidung ist da - und ausbaufähig

Eine positive Nachricht gibt es: Das Interesse an nachhaltig produzierter Kleidung wächst, sodass ein generelles Bewusstsein für biologische und faire Produkte, zumindest in Ansätzen, vorhanden ist. Nachhaltige Mode garantiert eine faire, sozial-verträgliche Herstellung, die weder zulasten der Umwelt, noch zulasten des Menschen geht. Nicht leugnen lässt sich, dass sie teurer ist und häufig nur online bestellt werden kann. Eine gute Alternative ist sicherlich, Kleidung auszuleihen, selbst herzustellen oder zu tauschen. Greenpeace organisiert in 40 deutschen Städten Tauschbörsen, sogenannte „Kleidertauschpartys“, auf denen man ganz nachhaltig an neue, alte Kleidung kommt. Ein guter Anfang ist es, seine Kleidung nicht immer sofort wegzuwerfen, sondern auch mal zu reparieren. Verbraucher können außerdem auf Umweltsiegel und Zertifikate achten - dies ist besonders zu empfehlen, da viele Unternehmen mit angeblich grünen Produkten werben, die jedoch gar nicht so umweltfreundlich sind. Einige Firmen setzen mittlerweile auf Upcycling, wie beispielsweise ein junges Augsburger Mode-Label, dessen Gründer mit Materialien wie recycelten Plastikflaschen arbeiten.

Fazit: Konsum einfach mal überdenken

Es lässt sich auf wenige Worte herunterbrechen: Wir alle sollten weniger und bewusster Shoppen. Vielleicht hilft es, sich die katastrophalen Folgen der Fast-Fashion-Industrie durch den Kopf gehen zu lassen, wenn man das nächste Mal im Kaufrausch vor dem fünften günstigen Weihnachtspullover steht, der aber doch so niedlich ist. Natürlich ist es einfach, mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken - doch auch unserer Redakteurin fällt es natürlich nicht immer leicht, nicht zu Kleidung aus den beliebten günstigen Modeketten zu greifen. Vielleicht können wir aber, alle zusammen und auch jetzt zur besinnlichen Weihnachtszeit, zumindest das ein oder andere Mal unseren (Kleidungs-) Konsum überdenken.

Weitere Quellen:
https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/01/Nachhaltige-Kleidung/komplettansicht#Nachhaltige-Kleidung-info-4-tab
https://www.dw.com/de/umwelts%C3%BCnde-mode-nur-fast-fashion-oder-geht-es-auch-nachhaltig/a-43344256
https://www.br.de/puls/themen/leben/fast-fashion-in-zahlen-102.html
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=0H2WcFiAyrU
 

DER EVP-WEIHNACHTSGRINCH

Weihnachten steht vor der Tür und das bedeutet für viele nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern auch eine besonders stressige. Denn es heißt wie jedes Jahr: Was nur soll ich schenken? In dieser Zeit des Jahres werden Rekordumsätze an den Kassen erzielt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet erstmals damit, dass die Schwelle von 100 Milliarden Euro überstiegen wird. Besonders der Handel über Online-Kanäle nimmt zu.

Schenken und vor allem Beschenkt-werden ist sicher eine schöne Sache und gehört zu Weihnachten dazu wie die Soße zum Festtagsbraten. Doch bei einigen Produktgruppen ist maßloser Konsum mit Folgen für Mensch und Umwelt verbunden. Daher spielen wir in diesen Wochen die Rolle des Grinch und machen in einigen Artikeln auf verschiedene Probleme aufmerksam. Nicht, um die Lust auf Weihnachten zu vermiesen, sondern zum Nachdenken anzuregen.