Aus für Polens Fracking-Traum

Die polnische Regierung hoffte, sich mit Fracking vom ungeliebten russischen Erdgas zu lösen, doch mit Conoco Philips verlässt nun auch der letzte internationale Fracking-Konzern das Land. In Polen und ganz Europa scheint Schiefergasförderung keine Zukunft zu haben.

von Bente Löhndorf
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Datum: 11.11.2015 14:03

Mit dem Abzug von Conoco Philips als letztes internationales Fracking-Unternehmen ist der Fracking-Traum in Polen beendet. Trotz Investitionen von 195 Millionen Euro und umfangreicher Erkundungen und Siebentestbohrungen wurde seit 2009 nicht eine Quelle erschlossen. „Leider haben wir keine kommerziell nutzbaren Mengen an Erdgas vorgefunden“, sagte der Polen-Chef des Unternehmens, Tim Wallace. Dabei hatte der damalige Ministerpräsident Donald Tusk vor einigen Jahren Polen schon zum „neuen Norwegen“ erklärt. Die Regierung hoffte, durch die Schiefergasquellen unabhängig von Erdgas-Importen zu werden und hatte versucht, viele ausländische Investoren anzulocken.

Zu viele Investitionshemmnisse


Vor dem US-Konzern Conoco Philips hatten bereits Chevron, Exxon, Total, Marathon Oil und Talisman Energy das Handtuch geworfen und waren aus Polen abgezogen. Die unerwartet geringen Gasvorräte waren nicht der einzige Grund. Trotz erheblicher Anstrengungen der Regierung, den Energiekonzernen die Tore weit aufzustoßen, bremsten Bürokratie und ein schlechtes Investitionsklima die Wirtschaft aus. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung die Fracking-Euphorie der Regierung nicht teilt und sich vielerorts gegen die Bohrungen einsetzte. Aufgestachelt von Beeinträchtigungen des Grundwassers nach ersten seismischen Voruntersuchungen kämpften die Bürger vor allem um ein im Südosten liegendes großes Naturschutzgebiet, das viele potenzielle Fracking-Gebiete einschloss.

Schlechte Karten für Fracking in Europa


Polen wollte das Fracking-Aushängeschild in Europa werden, doch es scheint, als wäre der Schiefergasboom auf diesem Kontinent zu Ende bevor er überhaupt begonnen hat. „Es ist nicht einfach (…) Die Kosten für Förderanlagen sind in Europa um ein vielfaches höher als in den USA. Außerdem werden wir bei jedem Schritt mit Vorschriften konfrontiert“, wird der Direktor des Konzerns Cuadrilla, Marek Madeja, in Bloomberg zitiert. Insbesondere seit dem rasanten Fall des Ölpreises ist Fracking kein lohnendes Geschäft mehr. Folglich vermutet Michael Barron von der Eurasia Group, dass die Fracking-Industrie in Europa im Gegensatz zu den USA keine bahnbrechende Entwicklung einleiten werde. Doch auch in den USA sei der Fracking-Boom mittlerweile vorbei.

Quellen:
klimaretter.info
energiezukunft.eu
energiezukunft.eu