Stromverbrauch: 18% aller Haushaltsgeräte verbrauchen mehr als angegeben

Strom sparen spielt in immer mehr Haushalten angesichts der steigenden Energiepreis eine große Rolle: Nun ist eine EU-weite Untersuchung bezüglich der Energieeffizienzangaben von Haushaltsgeräten zu dem für alle Sparfüchse erschütternden Ergebnis gekommen, dass der Stromverbrauch bei 18 von 100 getesteten Produkten nicht den Angaben des Herstellers entsprach.

von Lina Feder
News

Datum: 31.03.2016 13:11

Konsumenten müssen mit mehr Strom als angegeben rechnen


Im Rahmen des Projekts „MarktChecker“, mitfinanziert durch das dreijährige Programm der EU „Intelligente Energie – Europa“, wurden 20 Haushaltsgerätegruppen getestet. In Deutschland waren für dieses Projekt die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zuständig. Das ernüchternde Ergebnis der Studie: mehr als jedes fünfte Gerät verbraucht mehr Strom als der Hersteller auf dem Label angibt. Davon benötigen einige der Geräte sogar bis zu 30 Prozent mehr Energie als behauptet.
Vor allem Haushaltsgeräte mit WLAN-Option und der Standby-Modus stellen sich als erhebliche Stromfresser heraus. Bei einigen Produkten lässt sich das WLAN gar nicht erst ausschalten, bei anderen verbraucht die Standby-Option mehr als die gesetzlichen Vorgaben (Ökodesign) es zulassen. Wieder andere Geräte haben eine so schlechte Nutzen-Effizienz-Leistung, dass sie ebenfalls durch den Test fielen.

Hersteller umgehen die Energieeffizienzangaben


Nach Angaben des BUND-Energieexperten Robert Pörschmann könnten Haushalte ab 2020 EU-weit durchschnittlich 465 € Stromkosten jährlich sparen, sofern eine Umsetzung des Ökodesign-Standards und der EU-Energieverbrauchskennzeichnung schrittweise erfolgen würde. Für Verbraucher und Klima wäre dies eine große Entlastung. Hierfür müssten die Haushaltsgeräte jedoch mit der tatsächlichen Effizienz gekennzeichnet werden.

Nicht nur falsche Angaben sorgen für eine undurchsichtige Energieeffizienzangabe: Es gibt auch legale Tricks, die die Hersteller nutzen, um eine bessere Effizienz zu schaffen. Bei einem Fernseher etwa wird als Standardeinstellung eine Helligkeit von 65% genutzt und der Energieverbrauch dieser Einstellung auf dem Effizienzlabel angegeben. In Wahrheit aber werden die meisten Verbraucher die Helligkeit zu Hause höher einstellen, da 65% oft zu dunkel für den Nutzer ist. Ein weiteres Beispiel ist das Öko-Sparprogramm bei Waschmaschinen, welches zwar einen effizienten Verbrauch vorweisen kann, jedoch so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass es von Verbrauchern nicht genutzt wird.

Eine strengere Überprüfung durch die EU-Mitgliedsstaaten nötig


Die Haushaltsgeräte wurden durch Hinweise verschiedener Interessengruppen und vorherigen Projekten ausgewählt. Daher handelt es sich lediglich um Stichproben und zeigt nicht die gesamte Situation auf dem Elektromarkt auf. Trotzdem zeigt das Ergebnis des Projekts, dass ein umfangreicherer Markttest sowie strengere Überprüfungen der Vorgaben durch die Marktüberwachungsbehörden notwendig sind, so vzbv und Bund, um die Verbraucher zu entlasten und Nachhaltigkeit zu fördern.

Quellen:
vzbv.de
Die Welt