Grünstrom-Markt-Modell - Versorger fordern Ökostrom-Direktvermarktung

Ein Bündnis aus Energieversorgern fordert einen Herkunftsnachweis für Ökostrom. Statt wie bisher an der Börse mit herkömmlichem Strom zu Graustrom vermischt zu werden, soll mit dem Grünstrom-Markt-Modell die direkte Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien ermöglicht werden.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:59

Bis heute kommt auch für Verbraucher mit Ökostromtarifen nur sogenannter Graustrom aus der Steckdose, ein Mischprodukt von Strom aus unterschiedlichsten Erzeugungsarten. Das soll sich nach Ansicht einiger Energieversorger endlich ändern. Sie fordern von der Bundesregierung die Einführung eines neuen Marktmodells, das die direkte Vermarktung von Grünstrom an die Verbraucher möglich macht. Das von ihnen vorgeschlagene Grünstrom-Markt-Modell könnte nicht nur die Akzeptanz der Bürger für die Energiewende steigern, sondern die erneuerbaren Energien auch besser in den Markt integrieren.

Strombörse macht Grünstrom zu Graustrom


„Der wertvolle Strom aus Windkraft- und Solaranlagen darf nicht an der Börse verramscht werden, sondern muss ohne Umwege an Kunden geliefert werden können“, verlangt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Energie- und Wirtschaftsminister Gabriel müsse endlich ein Modell entwickeln, „dass es Verbrauchern ermöglicht, Ökostrom aus konkreten Anlagen zu beziehen“, so lautet die Forderung der Unternehmen Clean Energy Sourcing, EWS Schönau, Greenpeace Energy, MVV Energie und Naturstrom auf der gemeinsamen Pressekonferenz Ende März. Seitdem im August 2014 das reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft getreten ist, gilt eine „verpflichtende Direktvermarktung“ für Ökostrom. Damit müssen Betreiber von Ökostrom-Anlagen ihren Strom zum Marktpreis an der Strombörse verkaufen und erhalten eine „Marktprämie“, die den Differenzbetrag zwischen Marktpreis und Vergütungsanspruch nach dem EEG ausgleicht. Damit wird jedoch der Grünstrom zu Graustrom, ein Herkunftsnachweis ist nicht mehr möglich.

Herkunftsnachweis für Transparenz und Akzeptanz


Das propagierte Grünstrom-Markt-Modell erlaubt hingegen direkte Lieferbeziehungen zwischen Betreibern von Ökostrom-Anlagen, Versorgern und Verbrauchern abseits von EEG-System und Strombörse. Das Modell basiert auf der Entscheidungsfreiheit der Versorger, den Ausbau erneuerbarer Energien entweder durch die Zahlung der EEG-Umlage zu fördern oder durch den direkten Bezug von Strom aus Ökostromanlagen. Letzteres, so die Hoffnung, würde den Verbrauchern Gewissheit über die Herkunft ihres Stromverbrauchs geben und somit das Vertrauen in und die Akzeptanz für erneuerbare Energien steigern.

Darüber hinaus versprechen sich die federführenden Unternehmen eine bessere Integration der erneuerbaren Energien in den Markt, da Stromversorger gezwungen wären, sich über den Umgang mit wetterbedingten Produktionsschwankungen von Ökostrom Gedanken zu machen. Dieser müsste mit dem ebenfalls schwankenden Verbrauch der Kunden in Einklang gebracht werden, beispielweise durch Lastmanagement oder Speichertechnologien. Gelänge ihm dies nicht, könnte der Versorger überschüssigen Strom am Markt weiterverkaufen, müsste jedoch je Kilowattstunde eine Strafgebühr von zwei Cent zahlen oder er könnte den Strom an andere Versorger weiterverkaufen, die am Grünstrom-Markt-Modell beteiligt sind. Somit würde das Modell nicht wie die aktuelle Marktprämie dazu führen, dass Ökostrom-Anlagen bei negativen Börsenpreisen abgeschaltet werden sondern Anreize schaffen, Stromnachfrage und –angebot einander anzupassen.

Viele Befürworter für neue Vermarktungswege


Rund 30 Unternehmen und Verbände sind inzwischen offizielle Unterstützer des Grünstrom-Markt-Modells. Sie erhoffen sich ein gutes Geschäft durch Strom mit exaktem Herkunftsnachweis. Auch aus der Industrie sind positive Stimmen zu vernehmen. Laut dem Energiewende-Barometer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wäre rund ein Drittel der befragten Unternehmen bereit, für zertifizierten Strom aus erneuerbaren Quellen in Deutschland mehr zu bezahlen als für Graustrom. Der von Greenpeace beauftragen Emnid-Umfrage zufolge geben zudem 68 Prozent der Verbraucher an, dass ihr Vertrauen in die Energiewende gestärkt werden würde, wenn sie sicher wüssten, woher von ihnen bezogener Ökostrom stammt. Weitere 60 Prozent wünschen sich eine Möglichkeit, mit dem eigenen Stromtarif die regionalen Anlagen von erneuerbaren Energien unterstützen zu können. Beides würde durch das Grünstrom-Markt-Modell ermöglicht. „Um die Energiewende in Deutschland zum Erfolg zu führen, ist es unabdingbar“, erklärt auch Sönke Tangermann, „die Akzeptanz in der Bevölkerung durch transparente Vermarktungswege zu steigern – denn das Vertrauen in der Bevölkerung kommt nicht von selbst.“

Quellen:
Handelsblatt
iwr.de
gruenstrom-markt-modell.de