Der Häuser-Check: Was leisten Energieeffizienzhäuser?

Bei immer mehr innovativen Bauprojekten werden energieeffiziente Häuser verbaut und auf ihre Zukunftsfähigkeit getestet. Verschiedene Bau- und Effizienzstandards zeigen die Vielfalt der Umsetzungsmöglichkeiten auf.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 14:04

Der Gebäudebereich gehört mit 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und einem Drittel des CO2-Ausstoßes zu den größten Klima- und Umweltsündern der deutschen Volkswirtschaft. Bis zum Jahr 2020 soll daher nach Vorgaben der Bundesregierung der Wärmebedarf im gesamten Gebäudebestand um 20 Prozent verringert, bis 2050 der Primärenergieverbrauch um ganze 80 Prozent reduziert werden. Energieeffizienz wird bei Neubauten und Sanierungsarbeiten vermehrt bestimmender Faktor. Wissenschaft und Architektur haben mittlerweile verschiedene Bauarten und Häusertypen entwickelt. Dabei geht der Trend zu Häusern, die nicht nur wenig Energie verbrauchen sondern sogar mehr erzeugen als sie selbst benötigen.

Passivhaus – Vorreiter der Energieeffizienz


Schon 1992 wurde in Deutschland das erste Passivhaus gebaut. Das Konzept sieht vor, dass die Energieeffizienz in den Gebäuden so weit gesteigert wird, dass sie ohne ein aktives Heizsystem auskommen. Dies wird vor allem durch eine gute Wärmedämmung ermöglicht. Zudem werden bei der Konstruktion Wärmebrücken vermieden, durch die die Wärme schneller nach außen transportiert wird. Außerdem kann der Wärmebedarf durch innere Wärmequellen und mit Solarthermie durch eine nach Süden orientierte Hausfassade weitestgehend gedeckt werden.

Plus-Energie-Häuser auf dem Vormarsch


Über Null-Energie-Häuser ist die Entwicklung mittlerweile bei Plus-Energie-Häusern angekommen. Diese verfügen über einen negativen Jahres-Energiebedarf, das heißt sie produzieren mehr Energie als sie verbrauchen. Dabei wird eine energieeffiziente Bauweise, die mittlerweile den Heizwärmebedarf von Passivhäusern unterbieten kann, mit erneuerbaren Energien gekoppelt. Durch Solarthermie, Photovoltaik, Erdwärmepumpen oder KWK-Anlagen können die Gebäude ihren eigenen Wärme- und Energiebedarf decken. Neben der richtigen Kombination der Produktionsarten sind auch städtebauliche Faktoren, wie Verschattung von Gebäudefassaden und Dachflächen zur solaren Wärme- und Energiegewinnung, entscheidend über die Energieausbeute. Interne Speichersysteme und der Anschluss an das öffentliche Energienetz sorgen dafür, dass überschüssige Energie gespeichert oder ins Netz gespeist werden kann. Damit werden Gebäude werden gleichzeitig zu Stromverbrauchern und -erzeugern für das Stromnetz 2.0. Seit etwa 15 Jahren steigt die Anzahl der realisierten Plus-Energie-Häuser kontinuierlich an, mittlerweile werden ganze Siedlungen nach dem Standard gebaut und miteinander vernetzt, um die produzierte Energie noch besser zu nutzen.

Förderstandards für staatliche Zuschüsse


Sowohl Neubauten als auch Sanierungen zur Steigerung der Energieeffizienz werden staatlich gefördert. Seit 2009 wird der Effizienzhaus-Standard, der von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entwickelt wurde, für Förderprogramme der KfW genutzt. Dabei gilt: Je geringer der Eigenbedarf des gebauten oder sanierten Gebäudes, desto höher ist die Förderung. Unterschieden wird zwischen den KfW-Effizienzhaus-Standards 40, 55 und 70. Die Zahl gibt an, wie hoch der jährliche Primärenergieverbrauch im Vergleich zu einem entsprechenden Gebäude nach der Energieeinsparverordnung mit dem Effizienzwert 100 ist. Die kleinste Zahl weist somit auf die beste Energieeffizienz hin.

Langfristig ist zu erwarten, dass sich bei aller Gebäudevielfalt der Plus-Energie-Standard etablieren wird. Die EU-Gebäuderichtlinie Neubau hat ihn bereits ab 2021 unter dem Begriff „Niedrigstenergiehaus“ für verbindlich erklärt. Schon heute gibt es Einfamilienhäuser auf dem Fertighausmarkt für 450.000 Euro für 160 Quadratmeter Wohnfläche, die diesem Standard entsprechen. Wissenschaftler arbeiten jedoch weiterhin an der Optimierung der Baustoffen und Technologien, um Gebäude noch energieeffizienter, sparsamer und kostengünstiger zu machen.

Quellen:
zoomarchitekten.de
enob.info
enob.info