Zwölf Trends als Diskussionsgrundlage um Strom 2030 des BMWi

Sichere und bezahlbare Energie mit einem besonderen Blick auf die Nachhaltigkeit ist das Ziel des BMWi. Anstoß für eine Diskussion mit Akteuren und der Öffentlichkeit soll das Informationspapier vom 16.09.2016 geben. Stellungsnahmen sind bis Ende Oktober möglich.

von Redaktion
News

Datum: 07.10.2016 16:47

Ziel der Regierung ist die vollständige Vermeidung von Treibhausgasemissionen bis 2050 durch den Ausbau von Technologien, Innovationen in der Energieeffizienz (etwa bei Gebäudesanierungen) und der Nutzung Erneuerbarer Energien. Da die Energiewende bekanntermaßen kein Selbstläufer ist, müssen wichtige Maßnahmen getroffen werden, die mit dem Informationspapier diskutiert werden sollen. Dabei können Vertreter und Akteure der relevanten Bereiche, aber auch Bürgerinnen und Bürger bis zum 31.10.2016 Stellung beziehen.

Strom 2030 – Langfristige Trends, Aufgaben für die kommenden Jahre


Der Schwerpunkt des Papieres liegt auf der gesicherten sowie bezahlbaren Versorgung der Bevölkerung. Auf Grundlage wissenschaftlicher Studien, werden in der 36-seitigen Veröffentlichung zwölf verschiedene Trends diskutiert, die für die nächsten Jahre zur Erfüllung der Ziele notwendig sind. Jeder Trend wird mit Aufgaben, Leitfragen sowie dazugehörenden Studien dargestellt.

Zwölf Trends zu Effizienz, Erneuerbaren Energien und Sektorkopplung


Die Trends unterliegen dem Dreiklang Effizienz, direkte Nutzung von Erneuerbaren Energien und Sektorkopplung (sprich erneuerbare Energien werden auch in Verkehr, Industrie und für Wärme eingesetzt). Im Folgenden sind diese mit einer kurzen Beschreibung dargestellt. Auf der Internetseite des BMWi ist sowohl eine Kurz- als auch eine Langfassung der Trends zu finden.

Trend 1: Die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne prägt das System

Wind- und Solarenergie sollen 2030 doppelt so viel Strom wie jetzt erzeugen und bis 2050 sogar den überwiegenden Teil des Bedarfs abdecken. Auch durch Sektorkopplung sollen Wind- und Solarenergie im Gesamtsystem die wichtigsten Energieträger werden. Notwendig hierfür sind der Ausbau der Stromnetze sowie eine immer flexibler werdende Gestaltung des gesamten Stromsystems für Erzeuger und Verbraucher.

Trend 2: Der Einsatz fossiler Brennstoffe im Kraftwerkspark geht deutlich zurück

Bis 2050 soll Strom weitestgehend CO2-frei erzeugt werden. Durch sinnvolle Investitionen müssen also Erneuerbare Energien sowie Kraft-Wärme-Kopplung und nicht mehr Kohlekraftwerke und Tagebaue gefördert werden. Wichtig hierbei ist, Fehlinvestitionen zu vermeiden und Betroffenen des Strukturwandels neue Chancen zu bieten.

Trend 3: Die Strommärkte werden europäischer

Aufgabe ist, den europäischen Strommarkt weiter zu integrieren und flexibler zu gestalten. Wichtige Rahmenbedingungen hierzu will die Europäische Kommission Ende 2016 vorschlagen.

Trend 4: Versorgungssicherheit wird im Rahmen des europäischen Strombinnenmarkts gewährleistet

Aufbauend auf den europäisch werdenden Strommarkt, muss die Versorgungssicherheit gewährleistet werden, sodass niemand ohne Strom dasteht. Sowohl für Knappheitssituationen als auch Reserven müssen effiziente Lösungen gefunden werden.

Trend 5: Strom wird deutlich effizienter genutzt

Es müssen Anreize geschaffen werden, Strom effizienter zu nutzen. Umso weniger Strom die Bevölkerung (samt Industrie etc.) verbraucht, desto weniger Ausbau von Anlagen und Netzen ist notwendig, wodurch wiederrum weniger finanzielle Mittel für Verbraucher und Regierung notwendig sind.

Trend 6: Sektorkopplung: Heizungen, Autos und Industrie nutzen immer mehr erneuerbaren Strom statt fossiler Brennstoffe

Vorrangig sollen in allen Sektoren Technologien entwickelt und genutzt werden, die mit möglichst wenig Erneuerbare Energien fossile Brennstoffe ersetzen können. Das heißt auch Verkehr, Wärme und Industrie sollen auf Dauer vorwiegend Erneuerbare Energien nutzen. Die Aufgabe, die die BMWi hier sieht, ist vor allem die Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen, um einen höheren Anreiz zu bieten.

Trend 7: Moderne KWK-Anlagen produzieren den residualen Strom und tragen zur Wärmewende bei

Es müssen mehr Anreize für die Investition in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen getätigt werden. Da KWK-Anlagen nicht nur Strom, sondern auch Wärme produzieren, gelten sie als besonders effizient und können daher einen wichtigen Beitrag zur Energiewende liefern. Aus den KWK-Anlagen werden in den nächsten Jahren moderne Strom-Wärme-Systeme entwickelt, welche dann unter anderem Technologien wie Solarthermie, Wärmepumpen oder Wärmespeicher umfassen und damit eine höhere Flexibilität bieten.

Trend 8: Biomasse wird zunehmend für Verkehr und Industrie genutzt

Biomasse ist zwar eine universell einsetzbare Ressource, allerdings auch sehr begrenzt. Daher müssen die Anreize zur Nutzung so gezielt gesetzt werden, dass Biomasse zum Einsatz kommt, wo es den größten Nutzen schafft. Bis 2050 soll Biomasse weniger für die Energiewirtschaft – hier wird auf Solar- und Windenergie gesetzt – an sich, dafür vermehrt im (Flug- und Schiffs-)Verkehr sowie in der Industrie eingesetzt werden.

Trend 9: Gut ausgebaute Netze schaffen kostengünstig Flexibilität

Voraussetzung für die erfolgreiche Energiewende, sind gut ausgebaute, leistungsfähige Stromnetze. Bei diesem Trend spielt die Akzeptanz der Gesellschaft und eine schnellere Realisierung beschlossener Ausbauten eine große Rolle.

Trend 10: Die Systemstabilität bleibt bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien gewährleistet

Durchdachte Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Versorgungswiederaufbau sowie Betriebsführung sorgen bei der Energiewende für ein stabiles und flexibles System.

Trend 11: Die Netzfinanzierung erfolgt fair und systemdienlich

Die Netzentgeltregulierung muss für Verbraucher transparent dargestellt und die Kosten fair aufgeteilt werden.

Trend 12: Die Energiewirtschaft nutzt die Chancen der Digitalisierung

Die Energiewirtschaft muss die Digitalisierung als Chance sehen, um einen Mehrwert für die Kunden zu bieten und das Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch und Netz effizienter zu gestalten. Funktionieren kann dies durch intelligente Messsysteme, Kommunikationsplattformen und der gleichzeitigen Gewährleistung der Systemsicherheit (sprich Datenschutz und -sicherheit).

Quelle:
Informationspapier des BMWI