Einigung auf Pariser Klimaabkommen

Die Weltklimakonferenz geht mit einem Sieg für den Klimaschutz zu Ende. Ein historisches Klimaabkommen bindet erstmals alle UN-Mitglieder für verbindliche Klimaziele ein. Der Auftakt für ein großes Vorhaben der Weltgemeinschaft ist damit getan.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 14.12.2015 11:24

Samstagabend war in Paris nicht nur die Erschöpfung, sondern vor allem die Freude und Erleichterung groß, als das Weltklimaabkommen beschlossen war. Nach zwei intensiven Verhandlungswochen steht der erste verbindliche Klimavertrag aller UN-Mitglieder fest. Das Ziel lautet, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad – möglichst unter 1,5 Grad – zu beschränken. Dafür soll ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nur noch so viel Kohlendioxid ausgestoßen werden wie die Erde auf natürlich Weise oder mit technischer Unterstützung wieder aufnehmen kann. Dazu braucht es den Ausstieg aus der Kohle, aus Öl und Gas und gleichzeitig den Ausbau alternativer Energiegewinnung.

Nationalpolitik ohne Sanktionen


Dennoch bleibt Klimapolitik auch weiterhin den Staaten überlassen. Ab 2018 sollen lediglich die nationalen Klimaschutzziele überprüft und alle fünf Jahre angepasst werden. Auf Sanktionen bei Verstößen konnte sich die Weltgemeinschaft allerdings nicht einigen. Dies ist insbesondere bedenklich, da die im Vorfeld zur Konferenz eingereichten nationalen Ziele zur Begrenzung der Treibhausgase als nicht ausreichend eingestuft werden. Würde es bei diesen bleiben, droht eine Erwärmung um über drei Grad. Auch die beim G7-Gipfel in Elmau versprochene Dekarbonisierung bis zum Ende des Jahrhunderts fand in der Konferenz keinen Platz.

Unterstützung für die Armen


Ein weiterer Streitpunkt bezüglich der Finanzierung der notwendigen Maßnahmen konnte jedoch geklärt werden: Die Entwicklungsländer sollen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und für die Bekämpfung bereits spürbarer Klimaveränderungen finanzielle Unterstützung erfahren. Zwischen 2020 und 2025 sollen die Industrieländer und auf freiwilliger Basis die Schwellenländer jährlich 100 Milliarden Dollar bereitstellen. Eine echte Verbindlichkeit bei der anteiligen Bereitstellung konnte jedoch nicht erreicht werden.

Ein Generationenprojekt auf globaler Ebene


Bis zum Inkrafttreten 2020 soll der Vertragstext nun von allen 195 Staaten ratifiziert werden. „Ich bin erleichtert, stolz und ein bisschen glücklich. Ich glaube, das kann man ruhig historisch nennen“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks. Auch für Deutschland bedeutet das Klimaabkommen jedoch Arbeit, schließlich sind bereits gemachte Zusagen bis 2020 noch nicht erreicht. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) nahm darum auch die Bundesregierung und die EU direkt in die Pflicht: „Aus Brüssel sind für alle EU-Staaten deutlich ambitioniertere und verbindliche Ausbauziele für erneuerbare Energien erforderlich, wenn wir den Pariser Vertrag für Klimaschutz ernstnehmen.“ Der Ausbau von Ökostrom sowie Systemänderung im Wärme- und Verkehrssektor seien drängende Themen auf der politischen Tagesordnung, um eine Kehrtwende einzuleiten. „Hier ist das Potenzial für den Klimaschutz besonders groß“, erklärte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk.

Nachdem der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 ergebnislos und enttäuschend zu Ende gegangen war, war der Druck auf die Delegierten in Paris besonders groß, einen Nachfolgevertrag für das auslaufende Kyoto-Protokoll zu finden. Da dieses nur die Industriestaaten eingebunden hatte und einige der größten Klimasünder wie die USA und China nie dabei gewesen waren, hat das Pariser Klimaabkommen tatsächlich historische Dimensionen. Dennoch ist die Einigung auf die ambitionierten Ziele erst der Anfang eines langen Weges, wie Wolfhart Dürrschmidt, Ministerialrat a.D., feststellt: „Nach 25 Jahren harter Arbeit für den Klimaschutz stellt das Pariser Abkommen durchaus einen Meilenstein dar. Jetzt sind wohl weitere 25 Jahre nötig, um die Einsichten zu Taten werden zu lassen.“

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Quellen:
Grüne wirtschaftswoche
neueenergie.net
Tagesschau
Tagesschau