Monitoringbericht der Energiemärkte veröffentlicht

Der Netzausbau kann mit dem Tempo der Energiewende nicht Schritt halten, zu dem Ergebnis kommt der Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Positiv sehen sie hingegen den zunehmenden Wettbewerb auf allen Energiemärkten.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 03.12.2015 17:55

Die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt haben den gemeinsamen Monitoringbericht 2015 veröffentlicht. Darin werden die Entwicklungen auf dem deutschen Elektrizitäts- und Gasmarkt untersucht, im Fokus stehen der Wettbewerb, der Netzausbau und der Gasmarkt. Demzufolge ist insbesondere der Rückgang der konventionellen Energien zu Gunsten der erneuerbaren Energien prägend für den Strommarkt. Der Netzausbau könne bei diesen Entwicklungen noch nicht Schritt halten. „Als Folge mussten die Netzbetreiber 2014 verstärkt Maßnahmen zur Wahrung der Netz- und Systemstabilität ergreifen", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Netzausbau wird abgehängt


Um lokale Netzengpässe zu vermeiden mussten vermehrt kurzfristige Änderungen des Kraftwerkseinsatzes auf Geheiß der Übertragungsnetzbetreiber (sogenannte Redispatchmaßnahmen) durchgeführt werden. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen sie um sechs Prozent auf 8453 Stunden. Die Kosten für diese Eingriffe beliefen sich 2014 auf 186,7 Millionen Euro, die Abregelungen der Einspeisung von Ökostrom summierten sich auf 83 Millionen Euro. Sie sind Ausdruck eines unzureichenden Stromnetzes.

Leichte Preissenkungen für Strom und Gas


Auf dem Erdgasgroßhandelsmarkt hat im vergangenen Jahr das an der Börse gehandelte Volumen deutlich zugenommen. Dabei haben sich die Gaspreise von den Ölpreisen weitestgehend abgekoppelt und orientieren sich nun überwiegend an den Erdgasbörsenpreisen. Die wichtigsten Bezugsquellen für Gas sind neben Russland und den GUS-Staaten Norwegen und die Niederlande. Insgesamt lässt sich zum 1. April 2015 ein leichter Rückgang der Preise um rund 0,1 Cent je Kilowattstunde feststellen.

Auch die Strompreise sind zum Stichtag im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Der Rückgang um 1,4 Prozent auf durchschnittlich 29,11 Cent je Kilowattstunde ist insbesondere auf den vom Versorger beeinflussbaren Preisbestandteil zurückzuführen. Dennoch zahlen die deutsche Privatverbraucher nach Dänemark die zweithöchsten Strompreise in Europa. Grund dafür sind überdurchschnittlich hohe Belastungen durch Steuern, Umlagen und Abgaben. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) kritisiert in diesem Zuge die fehlende Transparenz bei den Netzentgelten, die einen zunehmend großen Anteil an den Stromkosten einnehmen. „Dabei können die Energiekunden nach wie vor nicht nachvollziehen, wofür die Verteilbetreiber die erhobenen Entgelte eigentlich verwenden“, betont bne-Geschäftsführer Robert Busch.

Kunden nutzen zunehmenden Wettbewerb


Doch es gibt auch positive Entwicklungen für die Stromverbraucher. Die Anbietervielfalt auf dem Markt nimmt stetig zu. „Die Marktmacht der größten Stromerzeugungsunternehmen hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen“, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. Die Kontrollinstanz des Wettbewerbs geht davon aus, dass auf den beiden größten Stromeinzelhandelsmärkten inzwischen kein Anbieter mehr marktbeherrschend ist. Die vier absatzstärksten Anbieter beliefern nur noch 36 Prozent der nicht-leistungsgemessenen Sondervertragskunden (vor allem Haushaltskunden).

Mit 9 Prozent ist die Wechselquote der Haushaltskunden zum Vorjahr konstant geblieben. Auch im Heizstrombereich nimmt der Wettbewerb langsam Fahrt auf. Bisher waren hier kaum Lieferantenwechsel vorgenommen worden. Im Jahr 2014 ist eine signifikante Zunahme der Anbieterwechsel zu verzeichnen. Der Anteil der Heizstromkunden, die einen anderen Lieferanten als den örtlichen Grundversorger haben, betrug 2014 über 4 Prozent und hat sich somit zum Vorjahr verdoppelt.

Quellen:
stromtarife.de
bundesnetzagentur.de