Hallo Robbie! – Offshore-Park als Jagdrevier

Trotz hoher Installationskosten ist der Nutzen von Offshore-Windparks mittlerweile allgemein anerkannt. Gut voraussehbare Wetter- und Produktionsbedingungen sowie die großen verfügbaren Flächen machen Windenergie auf See zu einem wichtigen Baustein der Energiewende.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 07.11.2014 11:23

Auch Umweltschützern wird zusehends der Wind aus den Segeln genommen, denn entgegen ihrer Befürchtungen könnten die Auswirkungen der Windparks auf den Lebensraum von Meerestieren weniger negativ oder sogar positiv sein. Nach Fischen und Muscheln passen sich scheinbar nun auch Seehunde und Kegelrobben an die veränderten Bedingungen an und nutzen die Parks als Jagdrevier.

Einer Studie der schottischen Universität St. Andrews zufolge nehmen Meeressäuger Offshore-Windparks mittlerweile als Lebensraum an. Forscher hatten Seehunde und Kegelrobben an der britischen und niederländischen Nordseeküste mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Bewegungen dokumentiert. Von mehr als hundert beobachteten Seehunden schwammen elf zur Nahrungssuche gezielt die Hochsee-Windparks "Alpha Ventus" in Deutschland und "Sheringham Shoal" in Großbritannien an. Ebenfalls scheinen sich unterseeische Pipelines bei den Meeressäugern größerer Beliebtheit zu erfreuen.

Überschätzte Bedrohung?


Deborah Russel und ihre Kollegen vermuten, dass die Konstruktionen als künstliche Riffe fungieren. Diese Hypothese war bereits zuvor vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) aufgestellt worden, das festgestellt hatte, dass sich an den Fundamenten der Windturbinen vermehrt Muscheln, Seesterne, Seeanemonen, Seelilien sowie Fische wie Makrele und Seebull ansiedeln. Auch oberhalb der Wasserlinie geben Beobachter Entwarnung bezüglich der Gefahren durch die Windparks. Der Vogelschlag falle bisher geringer aus als bisher befürchtet, da die Bewegung und Beleuchtung der Anlagen Vögel verscheuchen bevor sie von den Rotorblättern erfasst werden können. Folglich könnte der Bau von Windparks weniger schädlich für den Lebensraum Nordsee sein als bisher vermutet und sogar der Artenvielfalt zugute kommen.

Mit Forschung zu mehr Umweltverträglichkeit


Die Tiere werden während der Konstruktion und Installation der Anlagen massiv durch Bohrlärm und aufgewirbelten Staub gestört. Doch sobald der Bau vollzogen ist, kehrt wieder Ruhe ein, da der Betrieb der Windparks verhältnismäßig ruhig ist. Erste Beobachtungen zeigen, dass Meeresbewohner dann recht schnell zurückkehren. Die Sperrung von Windparks für Schifffahrt und Fischfang könnte die Bereiche für Tiere zusätzlich attraktiv machen. Naturschützer halten diese Ergebnisse für verfrüht und übertrieben positiv. Doch Deborah Russel und ihre Kollegen wollen in weiteren Studien erkunden, warum Offshore-Anlagen die Robben anlocken. Das Wissen könnte dabei helfen, die negativen Effekte der Windparks zu reduzieren.

Quellen:
Spiegel
Spiegel
Zeit