Online-Shopping zu Weihnachten - auf Kosten der Nachhaltigkeit?

Vor allem zur Weihnachtszeit boomt der Online-Handel, denn viele Menschen kaufen ihre Weihnachtsgeschenke im Internet und lassen sie sich bequem nach Hause liefern. Bequem und einfach – aber nicht wirklich nachhaltig gedacht.

von Jule Krause
News

Datum: 22.12.2017 14:29

Eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands Deutschland bestätigt, dass vor allem der Online-Handel in der Woche vor dem dritten Advents gute Umsätze erwirtschaften konnte, während die Geschäfte in den Innenstädten mit zurückgehenden Kundenzahlen zu kämpfen hatten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam bereits eine Kundenbefragung des EHI Retail Institutes zum Kaufverhalten zu Weihnachten im vergangenen Jahr. 38 % der 2000 befragten Verbraucher gaben demnach an, Weihnachtsgeschenke lieber im Internet als beim lokalen Einzelhändler zu kaufen. Mehr noch stimmten 83 % der Aussage „Ich informiere mich online und kaufe online“ zu.  Somit lässt sich stark davon ausgehen, dass der Trend weiterhin steigen oder zumindest anhalten wird. Besonders ausschlaggebend für die Entscheidung zum Online-Kauf erscheinen den meisten Kunden das bequeme Bestellen per Mausklick, die meist sehr schnelle Lieferungszeit und Schnäppchenangebote, die sich so nicht in lokalen Läden finden lassen.

Nachhaltigkeit beim Versandhandelriesen

Doch wie sieht es dabei mit der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit aus? Die Webseite utopia.de, deren Inhalte sich vor allem mit dem Thema des nachhaltigen Konsums befassen, hat den weltweit größten Online-Einzelhändler Amazon.com in diesem Sinne genauer unter die Lupe genommen. Dabei besonders in der Kritik: der fehlende jährliche Nachhaltigkeitsbericht des Internet-Riesen, der die Verfolgung des Bewusstseins für die eigene Nachhaltigkeit deutlich erschwert. Konkrete Auskünfte über die eigenen CO2-Emissionen bleiben somit aus. Das Problem kann auch durch die sogenannten „Earth-Kaizens“, Mitarbeiter, die sich um die Nachhaltigkeit des Unternehmens kümmern sollen, nicht ausgeglichen werden. Umweltfreundliche Maßnahmen in den Logistikzentren, wie Stromsparen durch Abschaltung von Lampen oder Mülltrennung, würden zwar von Amazon genannt, sollten jedoch in jedem Unternehmen Standard sein. Auch der kostenlose Premiumversand, den Amazon anbietet, zieht umweltschädigende Folgen mit sich: für die schnelle Lieferung am nächsten Tag werden die Waren oft durch Flugzeuge transportiert, die in puncto ökologischer Fußabdruck ganz weit unten stehen. Auch Dieselfahrzeuge, die zur Auslieferung eingesetzt werden, schaden der Umwelt durch ihren Abgasausstoß.

Ob der Kauf im Internet größere negative ökologische Folgen als der Geschäftseinkauf hat, ist jedoch immer von individuellen Faktoren abhängig, zum Beispiel ob das bestellte Produkt auch sonst gekauft worden wäre und ob der Weg zum Geschäft mit dem Auto oder beispielsweise mit dem Fahrrad erledigt wird. Positiv anzumerken ist die Verringerung der Verpackungsgrößen und Verwendung wiederverwertbarer Materialien, auf die Amazon nach eigenen Angaben setzt. Dennoch, der Verpackungsmüll bleibt bestehen.

Auch eine Unterseite namens amazon.de/green, die ökologische Produkte rund um den Klimaschutz und Energie sparen anbietet, erscheint zunächst vielversprechend. Doch das nachhaltige Konzept birgt so einige Tücken: die Suchmaske leitet den potenziellen Kunden nach Eingabe eines Begriffs direkt zum normalen Sortiment weiter; die Seite ist zudem kaum bekannt, da es keine Werbung oder Links auf der Startseite gibt. Diese Ergebnisse verdeutlichen: in puncto Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein ist der Online-Händler Amazon (noch) nicht auf dem Vormarsch und somit bleibt es dem einzelnen Kunden überlassen, seinen ökologischen Fußabdruck zu bedenken.

Alternativen für nachhaltiges Online-Shoppen

Als eine Alternative zum klassischen Online-Versandhandel bieten sich nachhaltige Online-Shops an, die bei den Produkten besonders auf Umwelt-Zertifizierungen und Fairtrade achten und unter anderem Mehrwerg-Versandsysteme nutzen, um unnötigen Verpackungsmüll zu reduzieren. Damit zeigt sich: nicht jeder Online-Versand muss umweltschädigende Folgen haben. Am klimafreundlichsten ist jedoch wohl immer noch die Fahrt mit dem Fahrrad zum nächsten Geschäft.

 

Quelle:

handelsdaten.de