Seekabel NordLink: Norwegen bald Stromspeicher für Deutschland

Ab 2020 verbindet ein Seekabel den deutschen und norwegischen Strommarkt. Der Austausch von Ökostrom soll die Energieströme im Netz stabilisieren und könnte sogar zu Strompreissenkungen führen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:46

Während innerhalb der Bundesrepublik der Netzausbau mit der Blockadehaltung des Südens kämpft, ist eine neue Seekabelverbindung mit Norwegen seit letzter Woche beschlossene Sache. Im norwegischen Haugesund unterzeichneten die Vertragspartner den Vertrag für den Bau der NordLink-Trasse, über die ab 2020 Energie ausgetauscht werden kann. Mit dem Überseekabel sollen Netzstabilität und die Versorgungssicherheit auch nach dem Abschalten der letzten Atommeiler gewährleistet werden.

Norwegen als Ökostrom-Akku


Die regelmäßigen Überschüsse an Windenergie können dann nach Norwegen geleitet und dort verkauft oder in Pumpspeicherkraftwerken zwischengespeichert werden. Wenn später in Deutschland eine Unterversorgung droht, kann mit den gespeicherten Reserven in den norwegischen Wasserkraftwerken erneut Strom hergestellt und in das Deutsche Netz eingespeist werden. In einem Video-Statement erklärt der Geschäftsführer das Projektpartners Tennet, Lex Hartmann: „Aus meiner Perspektive ist "NordLink" die ideale Verbindung zwischen zwei Ländern, aber eigentlich die ideale Verbindung zwischen Wind- und Sonnenstrom und in Norwegen Wasserstrom. Und für grüne Energie, die man nicht immer steuern kann, ist damit eine perfekte Balance entstanden.“

Die Investitionen für das Gleichstrom-Seekabel werden bei 1,5 bis 2 Milliarden Euro betragen. Der norwegische Netzbetreiber Statnett wird 50 Prozent am NordLink-Konsortium halten, der deutsche Übertragungsnetzbetreiber Tennet und die Staatsbank KfW sind mit jeweils 25Prozent am Projekt beteiligt. Vom Norwegischen Tonsted bis nach Wilster in Schleswig-Holstein wird die 623 Meter lange Trasse führen und bis zu 1400 Megawatt Strom leiten. Das entspricht etwa der Leistung eines Atomkraftwerks, welche im Zuge der Energiewende bis 2022 vom Netz gehen werden.

Wichtiger Baustein für Energiewende


Pünktlich zum Ausstieg aus der Kernenergie soll die NordLink 2020 fertig gestellt sein. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte das Projekt: „Wir unterstützen diese neue Seekabelverbindung, denn sie ist ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Versorgungssicherheit für Deutschland, aber auch für Norwegen.“ Im Zuge des Ökostromausbaus sind Vorkehrungen wie die Vernetzung mit Norwegen notwendig, um die Schwankungen bei der Produktion von Ökostrom auszugleichen. Schon heute müssen in Deutschland zu Spitzenlastzeiten Kraftwerke und Ökostromanlagen abgeschaltet werden, um die Netze nicht zu überlasten. Als positiver Nebeneffekt könnten der bessere Ausgleich von Angebot und Nachfrage durch den Energieaustausch die Strompreise für die Verbraucher in beiden Ländern senken.

Das Voranschreiten großer Bauprojekte wie der NordLink erhöht den Druck auf Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der sich beim Bau der SuedLink von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern querstellt. Obwohl er 2013 den Bauplänen noch zugestimmte hatte, gab Seehofer angesichts des Bürgerprotests in seinem Land nach und verzögert seither die Planungs- und Bauarbeiten mit seiner Blockadehaltung.

Quellen:
Welt
Tagesschau.de
newsticker.eu