„Modellstädte“ für saubere Luft präsentieren dem Bund ihre Ideen

Fünf deutsche Modellstädte präsentierten an diesem Dienstag in Berlin ihre Ideen für Maßnahmen gegen die hohe Umweltverschmutzung durch Diesel-Fahrzeuge. Bonn, Essen, Mannheim, Reutlingen und Herrenberg erhalten Förderungen durch den Bund von insgesamt 112,7 Millionen Euro.

von Helena Fischer
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Datum: 15.08.2018 12:25

Im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft“ der Bundesregierung wird nun den hohen Abgaswerten in deutschen Großstädten der Kampf angesagt. Die fünf Bürgermeister der Modellstädte stellten gestern ihre Maßnahmen zur Luftreinhaltung dem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor.

Nahverkehr optimieren

Alle Städte setzen dabei auf unterschiedliche Konzepte, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Man hofft dadurch auch, ein mögliches Diesel-Fahrverbot umgehen zu können.

Bonn und Reutlingen planen beispielsweise ein 365-Jahresticket, mit dem die Bürger für umgerechnet einen Euro pro Tag die öffentlichen Verkehrsmittel im Stadtgebiet nutzen können. Alternativ möchten Mannheim und Herrenberg die Kosten für die Tickets deutlich senken. Zusätzlich planen die Städte ein Job-Ticket für den Einzelhandel und Taktverdichtungen im Bus- und Bahnverkehr. All diese Maßnahmen wären laut der Bürgermeister auch besonders gut geeignet, um sie auf andere Städte auszuweiten.

Förderprogramm bietet auch Platz für neue Ideen

Die Stadt Herrenberg befasst sich aber auch noch mit einem anderen Ansatz: einer digitalen Verkehrslenkung und -steuerung. Dabei geht es darum den Verkehr auf vielbefahrenden Straßen optimal zu lenken, um Staus zu vermeiden und Emissionen zu reduzieren. Mittel dafür sind beispielsweise Beschleunigungsmöglichkeiten für Busse und Fahrradfahrer, intelligente Parkleitsysteme oder auch Tempolimits.

Deutlich abstrakter wirkt eine Maßnahme, die die Stadt Reutlingen vorschlägt. Wer den Fahrzeugschein für sein Dieselfahrzeug mit einer schlechteren Norm als Euro-5 abgibt, soll dafür ein Jahresabo für den Verkehrsbund Neckar-Alb-Donau erhalten.

Die Mühen scheinen sich gelohnt zu haben: Für die Jahre 2019 und 2020 gehen an Bonn 39,34 Millionen Euro, an Mannheim 28,37 Millionen Euro, an Essen 21,22 Millionen Euro, an Reutlingen 19,22 Millionen Euro und an Herrenberg 4,52 Millionen Euro. Die Entscheidung welche Projekte davon gefördert werden, steht den Städten selbst zu. Gegebenenfalls können auch andere Städte davon profitieren, wenn die Maßnahmen Anklang beim Bund finden und in den Modellstädten nachhaltige Ergebnisse bringen. Im Sommer 2019 soll es eine erste Zwischenbilanz geben.

Dennoch wird auch Kritik laut. Die Förderungen seien ein Tropfen auf dem heißen Stein und welche Maßnahmen wirksam zum Klimaschutz beitragen, sind ohnehin bekannt. Auch wenn die Bilanz der Modellprojekte positiv ausfallen werde, könnte man eine Ausweitung auf andere Städte schlichtweg nicht finanzieren.