Die liebe Umwelt: Geschäftsreisen von Klimaforschern

Ob zur Konferenz, Fortbildung oder zum aktuellen Forschungsprojekt – Flugreisen rund um den Globus gehören für Klimawissenschaftler zum Berufsalltag. Die bittere Ironie daran hat nun eine britische Studie aufgezeigt: Dank dieser regelmäßigen Kurztrips gehört die Berufsgruppe zu den Spitzenreitern in Sachen ökologischer Fußabdruck.

von Redaktion
News

Datum: 07.07.2016 14:32

Da sich Klimawissenschaftler in der Regel die Rettung der Umwelt und des Klimas auf die Fahne geschrieben haben und ihr Anliegen in Politik und Öffentlichkeit lautstark vertreten, ist diese Tatsache natürlich besonders heikel. Paul Schumacher, der für eine deutsche Organisation mehrere Klima-Projekte in Zentralasien betreut, zeigt sich der Wirtschaftswoche gegenüber nachdenklich: „Ich bin im letzten Jahr sicherlich 50 bis 60 mal geflogen. Dass ich das gerade in meiner Tätigkeit als Klimawissenschaftler tue, gibt mir ab und an sicherlich zu denken.“ Und das aus gutem Grund, schließlich ist allein der Flugverkehr Schätzungen zufolge für zwei Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

WWF-Mitarbeiter fliegen am häufigsten


Bereits 2014 analysierte zeo2, das Umweltmagazin der Tageszeitung, die Flugstrecken der größten Umweltverbände. Demnach ist WWF mit jährlich 7200 geflogenen Kilometern pro Mitarbeiter der mit Abstand größte „Luftverschmutzer“, dahinter landen der Nabu (3650 km), die Deutsche Umwelthilfe (3400 km) und Greenpeace (2300 km).

Die aktuelle Studie nimmt die Einstellung der Wissenschaftler zu ihren nicht gerade umweltfreundlichen Geschäftsreisen unter die Lupe. Insbesondere Besuche von Konferenzen gelten in der Branche als essentiell, um das eigene Profil zu schärfen und Kontakte zu knüpfen. So gaben die Befragten zwar an, sich im Alltag intensiv für den Klimaschutz zu engagieren – auf Flüge zu verzichten oder zumindest die Häufigkeit zu reduzieren kommt aber nur für eine Minderheit in Frage. Das ernüchternde Fazit: Gerade Klimawissenschaftler machen sich weniger Gedanken über ihren CO-Ausstoß, als man von ihrer Profession erwarten würde.

Skype-Vorträge als klimafreundliche Alternative


Dabei gibt es durchaus kosten- und vor allem klimafreundlichere Alternativen zur physischen Präsenz auf Tagungen und Konferenzen. Den Autoren der Studie schweben neue Arbeitsformen vor, etwa Vorträge auf Tagungen per Skype-Übertragung. Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung geht hier mit gutem Beispiel voran, dort wurde bereits eine Anlage für Video-Konferenzen angeschafft. Mit Hilfe eines laufenden Projekts, das den CO2-Ausstoß von Flugdienstreisen bemisst, sollen bald konkrete Zahlen vorliegen, wie viel an Treibhausgasemissionen durch diese Technik eingespart wird. Und auch Einzelpersonen nehmen sich diesem moralischen Dilemma zumindest versuchsweise an: Ein Wissenschaftler der ETH Zürich verzichtet künftig auf den Besuch von Konferenzen. Die möglichen Auswirkungen auf seine Tätigkeit will er in einem Blog festhalten.

Quellen:
wiwo.de