Umweltbundesamt empfiehlt enge Grenzen für Fracking

Das Umweltbundesamt bezieht in seinem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Gutachten klar Stellung: Fracking sollte in Deutschland bis auf Weiteres verboten werden. Die Risiken der umstrittenen Fördermethode für Erdgas seien derzeit nicht absehbar, sodass eine umfassende gesetzliche Regelung sowie weitere Forschung dringend benötigt würden.

von Bente Löhndorf
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Datum: 07.11.2014 11:19

"Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben", erklärte die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Da ein grundsätzliches Verbot rechtlich mit vielen Komplikationen verbunden ist, empfiehlt die Behörde „enge Leitplanken“ für den Einsatz der „Risikotechnologie“, um den Schutz von Umwelt und Gesundheit zu gewährleisten. Zudem fordert Krautzberger klare gesetzliche Vorgaben. Bisher gibt es lediglich ein Moratorium. Für die Gesetzesänderung empfiehlt das Umweltbundesamt in seinem 600 Seiten umfassenden Gutachten eine umfangreiche Risikobewertung für sämtliche Frackingprojekte zur Gas- und Erdölförderung, einschließlich jeglicher Probebohrungen. Die Bewertungen sollen nach der Vorstellung der Behörde unerlässlicher Bestandteil einer Umweltverträglichkeitsprüfung werden. Diese soll gesetzlichen Normen von Wirtschafts- und Umweltministerium folgen. BMWi und BMUB stehen ebenso wie das Umweltamt für strenge Sonderregelungen für Wasserschutz und Heilquellenschutzgebieten ein, ebenso für sensible Bereiche wie Einzugsgebiete von Seen und Talsperren, Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten. Das UBA plädiert an diesen Stellen für ein komplettes Fracking-Verbot.

Ungelöste Gefahrenpotenziale


Aus dem Gutachten geht hervor, dass das Bundesumweltamt insbesondere drei Punkte kritisch bewertet:
So sei bisher das Problem der Aufbereitung des Rückflusswassers (Flowback) ungelöst. Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Nach dem Bohren tritt aus dem Bohrloch Spülflüssigkeit aus, die nicht nur die verwendeten Chemikalien sondern auch giftige Stoffe wie Schwermetalle oder sogar radioaktive Substanzen aus dem Untergrund enthält. Für die Umwelt sei es am besten, den Flowback nach der Aufarbeitung wiederzuverwenden, doch für ein tragfähiges Entsorgungs- und Aufarbeitungskonzept bestehe noch erheblicher Forschungsbedarf.

Weiterhin müsse der Grundwasserschutz durch Analysen gesichert werden, die noch vor der Bohrgenehmigung erfolgen sollten. Mit dem engmaschigen Monitoring könnten Veränderungen in der Zusammensetzung des Grundwassers während des Fracking-Vorgangs aufgezeichnet und von dem Unternehmen und Behörden kontrolliert werden.
Zuletzt empfiehlt das UBA ein Fracking-Chemikalien-Kataster nach dem Vorbild von Risikotechnologien wie Gentechnik, um einer drohenden Intransparenz der Fördermethode entgegenzuwirken. Aus dem Kataster soll für jeden Bürger frei einsehbar sein, wo Frackingsubstanzen eingesetzt wurden und welche Umweltrisiken sie gegebenenfalls mit sich bringen.

Minister planen bedingte Fracking-Erlaubnis


Anfang Juli hatten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks ein gemeinsames Eckpunktepapier zum Fracking vorgelegt, welches die Ankündigung enthielt, dass Fracking unter bestimmten Auflagen erlaubt werden solle. Demnach möchte die Bundesregierung Fracking zur Gasförderung aus Tiefen oberhalb von 3000 Metern verbieten. In diesen Bereichen befinden sich hierzulande Schiefergesteine, die derzeit in den USA erfolgreich für Fracking genutzt werden. Da jedoch in diesen Tiefen auf Grundwasserleitungen verlaufen, besteht nach Ansicht der Regierung ein zu großes Risiko für Verunreinigungen des Trinkwassers.
Unterhalb von 3000 Metern befinden sich jedoch konventionelle Lagerstätten von Erdöl und Erdgas, bei denen ebenfalls Fracking eingesetzt wird. Da in diesem Bereich kein nutzbares Grundwasser lagert, besteht nach Ansicht der Minister keine Gefahr für die Gesundheit und das Trinkwasser, sodass Fracking hier erlaubt werden könne.

Das UBA beurteilt den Einsatz der Fracking-Methode selbst unter diesen Bedingungen kritisch. Im Hinblick auf den Klimawandel plädiert die Behörde für eine Abkehr von fossilen Brennstoffen. „Die Fracking-Technik ist kein Heilsbringer für den Klimaschutz, der uns den Umstieg auf die erneuerbaren Energien erleichtern kann. Es wäre besser, unser Land konzentrierte sich stärker auf nachweislich umweltverträgliche Energieformen wie die erneuerbaren Energien.“ Die aufwendige Gewinnung und anschließende Nutzung zum Heizen von Fracking-Gas könnte ohnehin überflüssig werden, wenn Energieeffizienz im Gebäudebestand verbessert würde.

Quellen:
Spiegel
Umweltbundesamt
Welt