Unterhaltungselektronik wird schnell zum Kostentreiber

Dass Haushaltsgeräte wahre Stromfresser sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Energieeffizienz ist daher zu einem wichtigen Kaufkriterium geworden. Viele Verbraucher bemühen sich um einen energiesparenden Gebrauch von Waschmaschine, Kühl- und Gefrierschrank. Doch weitere Kostentreiber stehen häufig unbemerkt im Wohnzimmer.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:54

Mit Heimkino, Dolby Surround System und der neuesten Spielekonsole ist die sogenannte Unterhaltungselektronik neben der sogenannten Weißen Ware zum zweitgrößten Verbraucher im Haushalt geworden. Die gute Nachricht: Mit nur wenigen Tricks lassen sich die Stromfresser jedoch in den Griff bekommen.

Mehr Geräte mit immer besserer Ausstattung


Ein Viertel des Stromverbrauchs geht mittlerweile auf das Konto von Geräten der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungselektronik. „Vor rund 15 Jahren lag der Durchschnittsverbrauch für TV-, Audio-, und Bürogeräte noch bei 7%. Nur jeder vierte Haushalt besaß überhaupt einen PC“, erklärt Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW. „Viele Geräte werden zwar effizienter, aber wir haben zunehmend auch mehr Geräte in den Wohnungen.” Insbesondere die Küche und das Kinderzimmer sind zum neuen Tummelplatz für ältere Geräte geworden, die aus dem Wohnzimmer verbannt und ersetzt worden sind.

Größer, breiter, hochauflösender – „In den letzten Jahren macht sich die angestiegene Gerätezahl, Nutzungsdauer und Bildschirmgröße stark bemerkbar“, betont auch Jan Witt, Geschäftsführer der HEA-Fachgemeinschaft. Zwar ist ein Flachbildfernseher häufig energiesparender als die alte Röhre, doch abhängig von der Bildschirmgröße, der Nutzung von HDTV oder Audiosystemen kann auch der Stromverbrauch eines LCD-Geräts bis zu 800 Kilowattstunden im Jahr betragen. Mit Kosten zwischen 20 und 69 Euro liegt er jedoch im Schnitt noch wesentlich unter einem Plasma-Fernseher, der mit jährlich 47 bis 129 Euro zu Buche schlägt. Schon beim Kauf lohnt es sich daher auf die Energieeffizienz zu achten, die seit 2010 mit dem EU-Label angegeben werden muss. Bei Fernsehern reichen die Energieeffizienzklassen derzeit von A+ bis G.

Wohl bekannt und dennoch vernachlässigt: der Standby-Modus


Wie bei anderen Geräten ist auch bei der Unterhaltungselektronik der Standby-Modus nicht zu unterschätzen. Den Luxus, vom Sofa aus mit der Fernbedienung das Gerät wieder einzuschalten, bezahlen Verbraucher mit zusätzlichen Stromkosten von jährlich etwa 100 Euro. Ein Auto-Off-Schalter, der das Gerät nach einer Weile im Standby-Modus von selbst abschaltet, ist jedoch nicht bei allen Fernsehern eingebaut. Bei vielen fehlt mittlerweile der Ausschalt-Knopf sogar komplett. Hier hilft nur ein vollständiges Trennen vom Stromnetz, indem der Stecker gezogen oder die Steckerleiste abgeschaltet wird. Das gleiche gilt für Anrufbeantworter, Satellitenempfänger, schnurlose Telefone, DVD-Rekorder, DSL-Router sowie DVD-T-Receiver. Allerdings verlieren einige Videorecorder oder Sat-Empfänger dann ihre Programmierung – Unternehmen wissen sich schließlich gegen die Energiesparwut der Kunden zu schützen.

Soundanlagen und Spielekonsolen – unterschätzte Verbraucher


Ein guter Sound gehört heutzutage ebenso zum guten Ton wie die meterlange Heimkinowand. Doch schon ein Subwoofer verdoppelt häufig den Stromverbrauch der Soundanlage. In der Königsklasse bietet ein Dolby-Surround-System zwar vollendete Klangqualität, aufs Jahr gerechnet schlagen sich die Anlagen jedoch mit etwa 65 Euro auf der Stromrechnung nieder. Ein weiterer Spaß- und Kostentreiber findet sich in Spielekonsolen – Karaoke, Wii Sports und Autorennen sind bei Kindern wie Erwachsenen hoch im Kurs. Rund 10 Millionen Video-Konsolen gingen bisher in Deutschland über die Ladentheke. Die Wii-Konsole ist mit 16 Watt pro Stunde noch der Sparfuchs, eine Xbox 360 oder eine Playstation 3 verbrauchen fast das Zehnfache. Zusammen mit dem vernetzten Fernseher und der Audio-Anlage wird der Spielspaß schnell zum teuren Vergnügen.

Sparsame Unterhaltung


Schon beim Einkauf rechnet es sich daher auf lange Sicht, die häufig etwas teureren aber sparsamen Geräte zu kaufen: LCD statt Plasma, Notebook statt Desktop-PC und vielleicht nur eine statt drei Spielekonsolen. Ein Blick auf die eigenen Bedürfnisse zahlt sich aus. Gleichzeitig hat nicht nur die Geräteanzahl je Haushalt zugenommen sondern auch die Nutzungsdauer. Rund eine Stunde am Tag verbringen die Deutschen mit Computer- und Konsolenspiele, der Fernseher hat eine durchschnittliche Nutzungsdauer von dreieinhalb Stunden, der Computer läuft in einem durchschnittlichen Haushalt rund fünf Stunden am Tag. Die Einschränkung der Nutzungsdauer ist eine Option für Stromsparer. Wer nicht gewillt ist, diese Begrenzung hinzunehmen, ist mit der Änderung seiner Bedienungsroutinen der häuslichen Elektronik sowie dem Ersatz veralteter Geräte häufig nicht schlecht beraten.

Quellen:
kwh-preis.de
energiewelt.de
EnergieAgentur.NRW
DENA
Tagesspiegel
statista.com