Stromkennzeichnung: Verbrauchertäuschung durch Etikettenschwindel beim Ökostrom?

Für ein grünes, ökologisches Image, verbreiteten 10 Versorger einen höheren Anteil von Ökostrom in ihrem Strommix, wie eine Studie zur Stromkennzeichnung ergeben hat. Gegen geltendes Gesetz verstoßen sie damit jedoch nicht. Die Grundlage für die Irreführung bietet nämlich ausgerechnet das Energiewirtschaftsgesetz.

von Katharina Korczok
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Datum: 03.04.2017 17:35

Studie bemängelt irreführende Angaben


Den tatsächlichen Ökostromeinkauf ermittelten die Ökostromanbieter Lichtblick, Naturstrom, Greenpeace Energy und die Elektrizitätswerke Schönau mit der Umweltorganisation Robin Wood und der Deutschen Umwelthilfe und Umweltverbänden in ihrem „Faktencheck Strommix“. Dabei vermarkteten einige Stadtwerke aktiv einen wesentlich höheren Anteil erneuerbarer Energien in ihrem Strommix, als tatsächlich von den Anbietern erworben.

Die in der Studie untersuchte Stromkennzeichnung zeigt auf, aus welchen Energieträgern sich die Stromproduktion eines Anbieters zusammensetzt: Einerseits in konventionelle Energieträger wie Atom, Kohle, Gas, und sonstige fossile Quellen sowie andererseits einen Anteil an „sonstigen Erneuerbaren Energien“ auf. Abhängig davon, ob die Rechnung sich auf den Gesamtmix des Stromanbieters oder einzelne Tarife bezieht, können die Angaben unterschiedlich hoch ausfallen. Weil Versorger die Quelle beim Stromeinkauf nicht immer nachvollziehen können, bietet das Gesetz die Möglichkeit, Strommengen anhand des „ENTSO-E-Energieträger-Mix“ für Deutschland anzugeben. Dieser undefinierte Graustrom kann fossile, sowie EEG-geförderte erneuerbare Energiequellen enthalten.

EEG-Umlage: Anbieter schmücken sich mit fremden Federn


Wie hoch der Anteil an Ökostrom darin ist, leitet sich aus den Zahlungen der EEG-Umlage der Stromkunden ab. Sie finanzieren durch die Abgabe die Energiewende. Dabei kommt es darauf an, wie viel EEG-Umlage die Stromkunden in einem Versorgungsgebiet gezahlt haben, das heißt wie hoch die Kunden Ökostrom unabhängig von ihrem eigenen Energiebezug gefördert haben.

Damit wird die EEG-Menge nicht anhand des tatsächlichen Einkaufs von grünem Strom berechnet und dem Versorger fiktiv zugewiesen. Auch wenn ein Stromanbieter also keinen EEG-Strom bezieht, kann er so einen hohen Ökostromanteil in seinem Strommix angeben. Dieser kann häufig über dem bundesweiten Durchschnitt an grünem Strom von rund 32 Prozent liegen und insgesamt bis zu 46 Prozent ausmachen.

Klage der Verbraucherzentrale NRW


Hier bietet das Gesetz, indem es grundsätzlich eine transparente Darstellung der Energieträger gewährleisten möchte, ein Schlupfloch für Greenwashing. Um den Bundesdurchschnitt zu überschreiten, müssen Versorger zum Teil keine einzige Kilowattstunde an Ökostrom erwerben. Dennoch erfolgt die Kennzeichnung trotz Irreführung der Verbraucher gemäß gesetzlicher Vorgabe. Verbreitet ein Versorger seinen „überdurchschnittlichen Ökostromanteil“ im Strommix aktiv als Erfolg und Unternehmensleistung, könnte jedoch eine vorsätzliche Täuschung vorliegen. Einige Anbieter, die öffentlich mit ihrem EEG-Anteil warben, erreichten vergangene Woche erste Unterlassungserklärungen der Verbraucherzentrale NRW.

Forderung nach transparenter Kennzeichnung


Bei einer Stichprobe von 40 Stromanbietern untersuchte die Studie der Ökostromanbieter nur einen Bruchteil der deutschlandweit 1.100 Stromversorger. Über 10 offengelegte Fälle hinaus, schätzt Lichtblick die tatsächliche Anzahl an Täuschungen höher ein. Verhindern könnte dies eine verbraucherfreundliche und transparente Kennzeichnung. Anstatt den EEG-Anteil im Anbieter oder Tarif-Strommix aufzuführen, sollten diese nur im Strommix für Deutschland angegeben und als verbraucherfinanziert gekennzeichnet werden. So würde die Stromkennzeichnung für die einzelnen Angebote den tatsächlichen Ökostromeinkauf eines Versorgers aufzeigen. Der Deutschland Strommix würde dann als Vergleich dienen und anzeigen, inwieweit Verbraucher durch ihre Stromkosten zur Energiewende beitragen.
Um Greenwashing zu entgehen, kann im Stromrechner des Energieverbraucherportals nach Ökostromanbietern mit nachweisbaren Umweltnutzen gefiltert werden. Die Auflistung erhält dann lediglich Anbieter mit zertifizierten Ökostrom-Tarifen. Auch in die Kriterienpunkte fließt in der Kategorie Ökologie der EEG-Anteil an Ökostrom nicht mit in die Bewertung ein.

Quellen:
energate-messenger.de
m.pv-magazine.de
"Etikettenschwindel bei Stromtarifen"