Wasserkraftwerke contra Umweltschutz

Der globale Hunger nach erneuerbaren Energien scheint für die kommenden Jahrzehnte unstillbar zu sein. Eine nicht unbedeutende Rolle könnte dabei Wasserkraft spielen. Derzeit sind weltweit 3700 größere Staudämme in Bau oder Planung, hauptsächlich in Entwicklungs- und Schwellenländern. In Deutschland hingegen scheint das Potenzial ausgeschöpft.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:35

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) warnt vor der globalen Entwicklung. So könnte bald jeder fünfte der noch verbliebenen Flüsse für Lebewesen nicht mehr durchwanderbar sein. Auch große Flüsse würden unwiederbringlich verbaut werden. Der Boom sei vor allem dort zu spüren, wo eine große Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten in Gefahr ist und somit wichtige Ökosysteme des Planeten zerstört werden könnten. Somit ist Wasserkraft zwar eine erneuerbare, allerdings wenig klima- und umweltfreundliche Energiequelle.

Wenig Potenzial für Wasserkraftwerke in Deutschland


In Deutschland spielt Wasserkraft als Baustein der Energiewende eine vergleichsweise kleine Rolle. Anders als bei Windkraftanlagen, die vor allem im Offshore-Bereich ein riesiges Potenzial besitzen, sind die Möglichkeiten bei Wasserkraftwerken weitestgehend ausgeschöpft. Um die Erzeugung von Strom zu steigern, besteht nur die Möglichkeit die bestehenden Wasserkraftanlagen zu erweitern oder zu modernisieren.
Derzeit beträgt der Anteil an der gesamten Stromproduktion lediglich 3,3 Prozent. Auf den ersten Blick ist diese Zahl beachtlich: 7500 Anlagen, die mithilfe von Wasser Strom erzeugen, befinden sich aktuell in Deutschland, allerdings besitzen die meisten dieser Kraftwerke lediglich eine Leistung von unter 100 Kilowatt (KW). Insgesamt geht der Bundesverband für Wasserkraftwerke von 4300 Megawatt (MW) aus. Zum Vergleich: das Atomkraftwerk Grohnde generiert eine Leistung von ca. 1400 MW.

Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland


Interessanter für die Energiewende sind die Pumpspeicherwerke. Sie sind derzeit die einzige Möglichkeit, in größerem Stil Strom zu speichern. In Zeiten, in denen der normale Stromverbrauch gering ist, wird mit überflüssigen Strom Wasser auf eine höhere Ebene hinaufgepumpt. Bei Bedarf kann das Wasser wieder herabgelassen werden. Dadurch werden Turbinen in Betrieb gesetzt, die dann den „gespeicherten“ Strom wieder für das Netz verfügbar machen. Der Wirkungsgrad dieser Kraftwerke wird auf 70-80 Prozent angegeben. Ob allerdings diese Art der Stromspeicherung nötig sein wird, bezweifeln Experten bereits heute. Laut einer Studie der Agora Energiewende sind Wissenschaftler der Ansicht, dass für die kommenden Jahrzehnte „kein zwingender Bedarf für zusätzliche Speicher besteht“.

Quellen:
Umweltbundesamt
wbgu.de
igb-berlin.de
[http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/studie-von-agora-energiewende-die-energiewende-braucht-keine-stromspeicher-13153058.html|FAZ]]