Wechsel zu Ökostromanbietern lohnt sich

Ökostrom galt lange als teure Luxusenergie, die sich nur überzeugte Naturschützer und abgehobene Millionäre leisten konnten oder wollten. Doch in den letzten Jahren sind das Umweltbewusstsein und die Zahl der Grünstromkunden gestiegen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 12.12.2014 16:09

Bezogen 2010 noch acht Prozent der Haushalte in Deutschland Ökostrom, stieg der Anteil bis 2013 auf rund 20 Prozent an, ohne dass dies zwangsläufig mit höheren Stromrechnungen einhergeht. Häufig sind Ökostromtarife günstiger als der regionale Grundversorgungstarif, den jedoch ein Großteil der Bundesbürger nach wie vor bezieht.

Eine Studie des Bündnisses „Atomausstieg selber machen“ ergab, dass in 89 Prozent der 72 untersuchten Großstädte mindestens einer von den vier unabhängigen Ökostromanbietern mit Sitz in Deutschland günstiger war als die Grundversorgung. Der Wechsel zu einem der Ökostromanbieter konnte je nach Standtort Ersparnisse zwischen 13 und 83 Euro pro Jahr ergeben. Neben der Einsparung können sich die Kunden bei der Wahl des richtigen Anbieters sicher sein, aktiv an der Förderung und dem Ausbau von Ökostrom beteiligt zu sein. Allerdings gibt es bei der Auswahl des Ökostromanbieters einiges zu beachten, wenn man sicherstellen möchte, dass die Umwelt vom Anbieterwechsel tatsächlich profitiert.

Gewusst wie - Augen auf bei der Wahl des Anbieters


Wer tatsächlich einen Beitrag zum Ausbau der Ökostromproduktion beitragen möchte, sollte darauf achten, dass der Ökostromanbieter einen festen Betrag des Geldes in den Bau neuer Anlagen investiert. Da Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland Einspeisevorrang hat, wird durch die Zunahme von produziertem Ökostrom der konventionelle Strom langsam vom Markt verdrängt. Darüber hinaus gibt es einige Anbieter von Ökostrom, die seit ihrer Gründung keinerlei Verflechtungen mit der Kohle- und Atomindustrie haben. In Deutschland gehören dazu Greenpeace Energy, Lichtblick, EWS Schönau oder Naturstrom. Wer hingegen zu dem etwas günstigeren Ökostromtarif eines großen Stromkonzerns wechselt, finanziert häufig durch seine Energiezahlungen den Betrieb von Atom- oder Kohlekraftwerken mit, die mittlerweile wegen des großen Ökostromangebots auf dem Energiemarkt nicht mehr rentabel betrieben werden können.

Durchblick im Dschungel der Zertifikate


Bei der Suche nach einem geeigneten Grünstromtarif können Label und Zertifikate Orientierung bieten. Allerdings gibt es auch hier Mogelpackungen, die Verbraucher in die Irre führen können. In der öffentlichen Kritik steht vor allem das europaweite RECS-System, "Renewable Energy Certificate System". Die Grünstromzertifikate werden an umweltfreundliche Energieerzeuger vergeben. Diese können ihre Zertifikate jedoch losgelöst vom Strom an Stromhändler verkaufen, die dadurch ihren konventionellen Strom „grünfärben“ können. Während der Stromhändler die über RECS-Zertifikate erworbene Menge an konventionellem Strom als Ökostrom etikettieren darf, muss der tatsächliche Ökostromproduzent seinen Grünstrom in gleicher Menge ebenfalls umbenennen und als „Schmutzstrom“ weiterverkaufen. Durch die Umetikettierung darf konventioneller Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken als Ökostrom an Verbraucher verkauft werden.

Weitere Ökostrom-Zertifikate sind weniger umstritten. Der TÜV Nord und der TÜV Süd vergeben keine einheitlichen Zertifikate. Beim TÜV Süd unterscheidet man zwei Standards, die beide auf Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen verweisen und nur dann vergeben werden, wenn Preisaufschläge dem Ausbau der regenerativen Energien dienen. Während das erste Zertifikat jedoch zudem attestiert, dass mindestens 30 % der Liefermenge aus neuen Kraftwerken stammt, wird bei dem zweiten ausgewiesen, dass gleichzeitig so viel Strom produziert wird wie die Endkunden verbrauchen. Allerdings erkennen sowohl TÜV Nord als auch TÜV Süd die umstrittenen RECS-Zertifikate an.

Das ok-Power Label hingegen wird nur vergeben, wenn durch den Ökostrom-Bezug neue Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien gebaut werden. Der Zertifizierung verläuft nach drei verschiedenen Modellen, allerdings ist am Zertifikat am Ende nicht ersichtlich, unter welches Kriterienmodell ein Produkt fällt. Obwohl der Verein, der hinter dem ok-power Label steht, sich aus der Verbraucherzentrale NRW, die Umweltstiftung WWF und dem Freiburger Öko-Institut zusammensetzte, werden auch hier RECS-Zertifikate zugelassen.

Das Grüner Strom Label hat noch höhere Anforderungen und wird ebenfalls von Umweltverbänden und darüber hinaus Friedensorganisationen getragen. Das Gold-Label wird nur an Strom verliehen, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Auch RECS-Zertifikate werden nicht akzeptiert. Produkte mit dem Silber-Label können bis zur Hälfte Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen bestehen. Wie beim ok-Power Label müssen sich Träger des Zertifikats verpflichten, einen Cent je verkaufter Kilowattstunde in den Neubau von Ökostrom-Anlagen zu investieren.

Der Stromsee wird grüner


Neben den Aspekten, die auch für die Suche nach herkömmlichen Stromtarifen gelten, wie kurzen Mindestvertragslaufzeiten, kurzen Kündigungsfristen sowie der Vermeidung von Vorauszahlungen und Mindestabnahmemengen, kann auch die Art der Einspeisung als Auswahlkriterium herangezogen werden. Bei der mengengleichen Einspeisung, speist der Stromanbieter über das Jahr verteilt die Menge an grünem Strom in das Netz ein, die seine Kunden insgesamt verbrauchen. Nur bei der zeitgleichen Einspeisung ist jedoch weitestgehend garantiert, dass der Verbraucher die Stromerzeugung unterstützt, die in dem Strommix seines Anbieters vorgesehen ist, da der Stromanbieter die entsprechende Menge Grünstrom zeitgleich mit dem Verbrauch einspeist.

Dennoch kann auch bei der zeitgleichen Einspeisung nicht dafür gesorgt werden, dass Ökostromkunden tatsächlich nur sauber produzierten Strom beziehen. Sie werden nach wie vor aus demselben Stromsee mit einer Mischung aus unterschiedlichen Erzeugungsarten versorgt wie andere auch. Mit ihrem Wechsel zu einem Ökostromanbieter können Verbraucher allerdings dafür sorgen, dass der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien steigt und das Mischungsverhältnis im Stromsee sich verändert.

Quellen:
Energiezukunft.eu
Welt
Ökostromanbieter.info
Ökostromanbieter.info
Heise.de
Strommagazin