Klimawandel: Weltklimarat mahnt zu sofortigem Handeln

Bei einem zügigen Kurswechsel des globalen Klimaschutzes können die schlimmsten Folgen für Natur und Umwelt noch verhindert werden. Zu diesem Schluss kommt der Weltklimarat in seinem neusten Bericht und erklärt die Kosten-Argumentation der Nationen für nichtig. Der Weltgemeinschaft scheinen damit langsam die Ausreden auszugehen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 12.11.2014 12:53

Der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC spricht eine klare Sprache. Das Zwei-Grad-Ziel kann noch erreicht werden, aber nur, wenn in naher Zukunft durchgreifende Maßnahmen beschlossen werden. Aus der Synthese dreier Beiträge der IPCC-Arbeitsgruppen aus den Jahren 2013 und 2014 geht klar hervor, dass es keine Zweifel mehr daran gibt, dass der Klimawandel von Menschen verursacht ist. Die bereits beobachtbaren Veränderungen des Klimas würden sich in den kommenden Jahrzehnten massiv verstärken, wenn die Weltgemeinschaft ihre Verantwortung nicht wahrnehme.

Höchste Zeit für globale Verbindlichkeiten beim Thema Klimawandel


Der Anstieg des Meeresspiegels um 19 cm im letzten Jahrhundert, die Temperaturanstiege an Land und im Wasser um 0,8 Grad Celsius sowie die Verstärkung vieler extremer Wetter- und Klimaereignisse sind für die Forscher eindeutige Zeichen für eine Veränderung des Klimasystems. Bereits jetzt zeigen sich durch diese Veränderung Folgen für natürliche und menschliche Lebensräume und Bedrohungen für Ökosysteme auf der ganzen Welt. Um die Erderwärmung auf maximal 2°C zu beschränken, ist der bisher eingeschlagene Weg nicht ausreichend. „Es gibt noch ein Zeitfenster von zwei bis drei Jahrzehnten, in dem der Klimawandel zu akzeptablen Kosten gebremst werden kann“, erläuterte der IPCC-Autor Professor Ottmar Edenhofer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Beginnt man erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, kann man nur noch wenig tun.“
Um die Einhaltung der international angestrebten Obergrenze einzuhalten, sei eine Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent gegenüber 2010 notwendig; bis 2100 müssten die Emissionen gen null gehen.

Klimaschutz ist bezahlbar


Erstmals schlägt der Report nach Einschätzung von Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser auch konkrete Lösungen vor. Wichtig sei eine schnelle Verbesserung der Energieeffizienz, sowie der starke Ausbau emissionsarmer Energieerzeugungsanlagen. Eine Verdrei- bis Vervierfachung der aktuellen Leistung durch erneuerbare Energien werde benötigt. „Wenn wir weitermachen wie bisher, werden uns die Möglichkeiten, den Temperaturanstieg zu begrenzen, in den nächsten Jahrzehnten entgleiten“, mahnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Es sei ein unbelegter „Mythos“, dass der Kampf gegen den Klimawandel teuer sei. Nach Berechnungen des IPCC würden selbst ehrgeizige Maßnahmenpakete jährlich nur 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums kosten, wenn das jährliche Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent liege. Diese Kosten würden jedoch immer stärker ansteigen, je länger der Kampf hinausgezögert werde.

Eine unveränderte Treibhausgasemission wird allen Prognosen zufolge negative Auswirkungen für Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen und die wirtschaftliche Entwicklung haben und die Risiken für Lebensgrundlagen, Ernährungssicherung und menschliche Sicherheit erhöhen. Die vom IPCC kalkulierten Szenarien ergeben, dass die Erdoberflächentemperatur bis zum Ende diesea Jahrhunderts zwischen 0,9°C bei strengem Klimaschutz und 5,4°C bei ungebremstem Ausstoß steigen wird. Für den Belgier van Ypersele habe der Bericht eine starke Botschaft: „Die Lösungen sind da, und sie sind nicht so teuer, wenn man international zusammenarbeitet. Der Report gebe den Regierungen „eine Ausrede weniger, nicht mit mehr politischer Willenskraft zu handeln.“

Quellen:
IPCC
BMUB
Tagesspiegel