Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad möglich und wichtig: Weltklimarat stellt Sonderbericht vor

Nach monatelangen Diskussionen hat der Weltklimarat (IPCC) in der Nacht zum Montag seinen Sonderbericht im südkoreanischen Incheon vorgestellt. Das 400-Seiten Papier dient zur Vorbereitung der UN-Klimakonferenz im Dezember in Katowice, Polen, in der das Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimavertrags festgelegt wird.

von Jule Krause
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Datum: 08.10.2018 13:38

Das Dokument zeigt auf: Mithilfe von weitreichenden Veränderungen in allen Gesellschaftsbereichen kann die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Dies wird, angesichts der sich bereits jetzt abzeichnenden Folgen des Klimawandels, vom Weltklimarat als dringend notwendig angesehen.

„Wichtigster klimawissenschaftlicher Bericht des Jahres“ liefert Bestandsaufnahme über aktuelle Klimasituation und ruft zum Handeln auf

Der Weltklimarat, 1988 gegründet, ist ein UN-Gremium, das wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel und seine Folgen zusammenträgt und damit die Regierungen unterstützen soll, wichtige Entscheidungen zu treffen. Der jüngst vorgestellte Sonderbericht, der von 91 Autorinnen und Autoren aus 40 Staaten verfasst wurde, gilt als „wichtigster klimawissenschaftlicher Bericht des Jahres“. Er bezieht sich auf die Pariser Weltklimakonferenz 2015, in der die Staaten vereinbarten, sich um eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad zu bemühen. Mittlerweile ist klar: die Temperaturen haben sich seit Beginn der Industrialisierung bereits um ein Grad erhöht; bei der aktuellen Geschwindigkeit ist die 1,5-Grad-Marke schon im Jahr 2030, spätestens aber 2052, erreicht.

Folgen der Erderwärmung schlimmer als zuvor angenommen

Die Autoren kommen durch die Auswertung von rund 6000 einzelnen Studien zu dem Ergebnis, dass eine Erderwärmung von zwei Grad weitreichende, ernste Folgen für das Leben auf der Erde mit sich ziehen würde. Dazu gehören beispielsweise häufigere extreme Wetterverhältnisse, ein steigender Meeresspiegel, das Schmelzen des Eises in der Arktis und ein Artensterben, das die Auslöschung ganzer Ökosysteme verursachen kann. Erste Folgen sind bereits jetzt spürbar. Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad hingegen würde die Artenvielfalt mehr schützen, für weniger eisfreie Sommer in der Arktis sorgen und den Anstieg des Meeresspiegels zumindest reduzieren. Zudem gäbe es weniger Dürrerisiken und weniger Teile der Erde würden Überflutungen ausgesetzt werden. Besonders Entwicklungsländer würden profitieren.

Begrenzung auf 1,5 Grad durch weitreichende Maßnahmen noch möglich

Die Erderwärmung kann tatsächlich, physikalisch und chemisch gesehen, auf 1,5 Grad begrenzt werden, so der Bericht. Dazu seien allerdings große Veränderungen in Energiesektor, Verkehr, Landwirtschaft und Industrie notwendig. Konkret müssten die Treibhausgasemissionen schneller verringert werden, als die Staatengemeinschaft bisher anstrebt: bis 2030 müssten diese um 45 Prozent unter das Niveau von 2010 fallen und bis Mitte des Jahrhunderts in der Summe auf null gesenkt werden. Darüber hinaus müsste der Anteil erneuerbarer Energieträger von derzeit ca. 20 Prozent auf 70 bis 85 Prozent gesteigert und Kohle möglichst ganz gestoppt werden. Diese Umbaumaßnahmen des Energiesektors würden bis 2035 2,1 Billionen Euro kosten.

Als weitere Maßnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels werden unter anderem die Verringerung des Fleischkonsums und die Abschaffung des Verbrennungsmotors von Autos genannt. Zusätzlich ist von sogenannten „negativen Emissionen“ die Rede, die entstehen, wenn Kohlendioxid durch CDR-Verfahren (carbon dioxide removal) in großen Mengen der Atmosphäre entzogen wird. Letzteres halten die Experten für unumgänglich, um das angestrebte Ziel zu erreichen.

Der Bericht diskutiert darüber hinaus, wie CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden kann. Als Möglichkeiten werden das Anpflanzen zusätzlicher Wälder, sowie die Verbrennung von Biomasse und die anschließende Speicherung des entstandenen CO2 vorgeschlagen. Als problematisch gilt jedoch, dass in beiden Fällen große Flächen erforderlich sind, die für die Anpflanzung von Nahrungsmitteln gebraucht werden.

Offen bleibt, ob der Bericht zu mehr Entschiedenheit im Klimaschutz auf der politischen Ebene führt. Deutlich wird allemal: entschlossenes, radikales Handeln ist jetzt erforderlich.

Quellen:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimawandel-ipcc-bericht-zum-1-5-grad-ziel-vorgestellt-a-1231805.html
https://www.deutschlandfunk.de/erderwaermung-weltklimarat-haelt-1-5-grad-ziel-noch-fuer.1773.de.html?dram:article_id=429946