Weltvegantag: Wie ökologisch ist die rein pflanzliche Idee?

Heute ist Tag der Allerheiligen. Heilig ist – so könnte man es sagen – der Tag auch für Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren. Seit 1994 findet jährlich am ersten Tag im November der Weltvegantag statt. In diesem Artikel soll es weniger um Beweggründe und Qualzucht gehen, sondern mehr um die Frage: Kann vegan auch Umwelt?

von Matthias Epkes
News

Datum: 06.11.2017 09:42

Die Anhänger des veganen Lebensstils betonen viele verschiedene Gründe, warum es sich lohnt, es ihnen gleich zu tun. Der Umgang mit Tieren ist dabei oftmals ihr Hauptargument, die in teilweise unwürdigen Zuständen gehalten werden und damit die Schlagzeilen der Medien füllen. Ein weiteres Argument ist bei vielen Deutschen die Sorge um die eigene Gesundheit, die sie mit der rein pflanzlichen Ernährung in den Griff bekommen wollen. Egal ob Tierschutz oder die Gesundheit: Besonders die Umwelt kann von dieser Lebensweise profitieren.

Das Tier selbst ist ineffizient

Doch wie sieht es mit Umwelt und Nachhaltigkeit aus? Hier merkt man schnell, dass die Bratwurstfraktion Schwierigkeiten haben wird, dagegen zu argumentieren. Ein wichtiges, unschlagbares Argument ist die Tatsache, dass für pflanzliche Produkte weniger Ressourcen verwendet werden müssen. Das sollte auch nicht verwundern. Wenn wir auf einer Fläche eine bestimmte Anzahl an Kalorien produzieren und diese an Tiere verfüttern, so wandeln diese die Kalorien nicht eins zu eins um. Tiere besitzen selber einen Kreislauf, produzieren Wärme, bewegen sich, schlicht: Sie leben. Je nach Tierart muss ein Mehr an Kalorien hinzugefügt werden, um eine bestimmte Menge an tierischen Kalorien zu erhalten. Somit wäre eine direkte Verwertung im ökologischen Sinne.

Allerdings betonen Kritiker dieses Arguments, dass es auf der Welt viele Weideflächen gäbe, die für die extensive Nutzung nicht geeignet wären. Aber: Ein Großteil der Produktion von Getreide, Mais und besonders Soja landet in den Futtertrögen der Landwirtschaft. Es wäre durchaus sinnig, diese Kalorien in direktem Wege zu konsumieren und nicht den Umweg über das Tier zu suchen. Das Schwein, in Deutschland das wichtigste Nutztier, bekommt ein Mischfutter aus Getreidesorten und Mais, also keine Erzeugnisse einer Weidefläche.

Ebenso ist die Sojabohne ein großes Thema. Die EU importiert jährlich 35 Millionen Tonnen Sojaschrot aus Nord- und besonders Südamerika. Nur 2% des weltweiten Soja-Anbaus gehen in direkte Nahrung über, den großen Rest bekommt die Tierfutterindustrie. Neben den unsinnigen, langen Transportwegen wird Regenwald gerodet, Landflächen verschwendet und viele Pestizide eingesetzt. Genmanipuliertes Futter muss im Übrigen nicht gekennzeichnet werden.

Massentierhaltung verursacht Massen an Treibhausgasen

Weiterer Vorwurf, den sich tierische Produkte gefallen lassen müssen, sind die hohen Abgaswerte, die mit der Produktion einhergehen. Der Fleischkonsum verursacht – in CO2-Äquivalente umgerechnet – 18% der von Menschen verursachten Emissionen. Damit wäre der Wert höher als alle Verkehrsarten der Welt zusammen. Die Zahl stammt aus einer Studie der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Eine neuere Studie des Worldwatch-Instituts geht von noch deutlich höheren Zahlen aus. Besonders gefährlich ist das von Rindern ausgestoßene Methan, das einen deutlich höheren Einfluss auf den Treibhauseffekt als CO2 hat (25-mal höher). Außerdem wird der Massentierhaltung und dem hohen Einsatz von Düngemitteln die Entstehung von Lachgas (Distickstoffoxid, N2O) zugeschrieben. Dieses Gas wirkt im Vergleich zu CO2 298-mal stärker.

Hin und wieder auf Fleisch verzichten

Die Grünen wurden während des Wahlkampfes 2013 für ihren Veggieday-Vorschlag abgestraft. Der Plan in deutschen Kantinen zumindest an einem Tag vegetarische Mahlzeiten anzubieten, wurde als Gängelung der eigenen Entscheidung über das Essen gesehen. Der Spiegel Online hat sich den „Spaß“ gemacht, auszurechnen, was es bedeuten würde, wenn alle Deutschen eine Legislaturperiode lang auf Fleisch verzichten würden. Dabei würden 18,8 Millionen Tonnen CO2 gespart, so viel wie die Stadt Dresden in zwei Jahren produziere oder 3,3 Millionen PKW in der gleichen Zeit.

Wer seine Mahlzeiten nach rein ökologischen Gesichtspunkten auswählen möchte, wird um den Verzicht von tierischen Produkten nicht umhinkommen. Wie oben dargestellt, kann selbst ein einziger Tag eine Menge bewirken und bringt meist mehr, als man es erwartet. Mittlerweile gibt es im Internet, in zahlreichen Publikationen und immer mehr Restaurants die Möglichkeiten, rein pflanzliche Menüs auszuprobieren. Natürlich wird niemand zu einer pflanzlicher Lebensweise gezwungen, ebenso allerdings auch nicht, sich der pflanzlichen Idee zumindest zu nähern. Die Umwelt wird es einem danken, die Tiere sowieso.

 

Quellen:

FAO

Geo - Fleischkonsum und Klima

Geo - Vorsicht, Fleisch!

Spiegel

Transgen

Umweltbundesamt

Vegetarierbund

Weltagrarbericht

Worldwatch Institute

ZEIT