Entsorgungsfrage für ausgediente Windräder

Nach 20-jährigem Betrieb werden viele Windräder in Deutschland abgebaut und ersetzt. Dabei fallen große Mengen an Schrott an, der nur teilweise recycelbar ist. Forscher sind gefragt, vor allem für die Rotorblätter nach Verwertungsmethoden zu suchen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:49

Die Windenergie in Deutschland boomt, die Produktionszahlen eilen von Rekord zu Rekord. Doch mit dem Ausbau und dem Ersetzen veralteter Anlagen rückt langsam eine Frage in den Vordergrund, die in naher Zukunft nicht mehr ignoriert werden kann: Wohin mit den ausgedienten Windrädern? Nach 20 bis 25 Jahren endet der Betrieb alter Anlagen häufig aus Effizienzgründen, für den Rückbau sind die Windrad-Betreiber zuständig, doch der Abbau ist ähnlich aufwendig wie die Installation und nur ein Teil des Materials lässt sich recyceln. Vor allem die Rotorblätter aus Glas- und Kohlefasern sind kaum wieder verwertbar und werden zu einer Herausforderung für Betreiber und Abfallwirtschaft.

Recyclingmarkt im Werden


Im Jahr 2014 wurden 142 neue Windräder installiert, gleichzeitig wurden allein im ersten Halbjahr 102 Anlagen stillgelegt und durch neue, leistungsfähigere Nachfolger ersetzt. Doch bevor die neuen Windräder ihre Arbeit aufnehmen können, müssen häufig veraltete Anlagen weichen. Mit Hilfe gewaltiger Kräne werden sie stückweise demontiert. Ein Großteil des Schrotts lässt sich einschmelzen und kann in den Kreislauf der Stahlproduktion zurückgeführt werden, während Generator und Getriebe als Ersatzteillager ausgeschlachtet werden. Bei den Rotorblättern ist Recycling jedoch kaum möglich, da sie aus Verbundwerkstoffen gebaut sind und eine Trennung der Schichten aus Glasfasermatten und Holz zu aufwändig wäre. Schon heute fallen pro Jahr 15.000 Tonnen Material aus veralteten Rotorblättern an, Tendenz stark steigend. Da bereits ab 2027 jedoch jährlich schätzungsweise rund 30.000 Rotorblätter entsorgt werden müssen, lohnt es sich, Verfahren zur kostengünstigen und sinnvollen Verwertung zu finden.

Schon der Abtransport von den über 50 Meter langen Rotorblättern stellt eine Herausforderung dar. Die Verfahren zur Zerlegung oder gar Sprengung der Blätter vor Ort sind vielfältig, in Labors werden immer neue Wege zur Zerlegung der Blätter erforscht, um den Transport zu erleichtern.

„Rotorblätter auf Glasfaserbasis werden geschreddert und in einem speziellen Zementwerk verbrannt“, sagt Fraunhofer-Forscherin Seiler. Der hohe Brennwert könne für die energieintensive Zementherstellung genutzt werden, die anfallende Asche werde dem Zement als Zusatz zugefügt. Allerdings werden Glasfasern zusehends durch Kohlefasern (Karbon) ersetzt, die etwa den zehnfachen Wert haben und zu schade zum Verbrennen sind. Die Forschung arbeitet derzeit an Verfahren, um die wertvollen Fasern aus alten Flügeln abzutrennen und in neuen Werkstoffen wiederzuverwenden.

Gebrauchtwarenhandel mit dem Ausland


Trotz der guten Zukunftsaussichten ist der Recyclingmarkt noch nicht besonders gut entwickelt. „In der Praxis wird bisher wenig recycelt“, sagt Wolfram Axthelm, Sprecher des Bundesverbands für Windenergie BWE. Er verweist auf den Handel mit gebrauchten Windkraftanlagen, der insbesondere in Russland, Polen und ehemaligen GUS-Staaten sehr gut läuft. Ein Großteil der in Deutschland abgebauten Anlagen, die gut gewartet und teilweise mit reparierten Rotorblättern versehen sind, findet in anderen Ländern noch Abnehmer, auch wenn sie nicht mehr auf den neuesten Stand sind. „Bei guter Pflege können Anlagen deutlich länger als 20 Jahre betrieben werden“, bestätigt Christian Schnibbe vom Unternehmen wpd, dem deutschen Marktführer unter den Windpark-Projektierern. In Deutschland werden sie häufig nur aus Effizienzgründen abgebaut und durch neuere Modelle ersetzt.

Weitere Komplikationen bei Offshore-Parks


Auf See ist der Ab- und Umbau von Windkraftanlagen noch komplizierter und dadurch viel teurer. Genehmigungen für Offshore-Windparks erteilt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) nur, wenn eine ausreichend hohe Rückbau-Sicherung besteht. Bei einem Windpark mit 80 Anlagen sind das rund 50 Millionen Euro. Der erhöhte Aufwand ergibt sich daraus, dass nicht nur die Windräder selbst demontiert werden müssen sondern auch die stählernen Dreibeiner unter Wasser mitsamt den in den Meeresboden gerammten Pfeilern wieder abzubauen sind, sodass am Ende weder Schifffahrt, Fischerei noch Umwelt beeinträchtigt werden. Selbst wenn die Fundamentpfeiler bis auf ein bis zwei Meter über dem Meeresgrund gekappt werden, kann das BSH derzeit nicht abschätzen, ob die verbleibenden Reste ein Risiko für die Umwelt darstellen. Hier fehlt es noch an Forschungserkenntnissen und Erfahrung.

Quellen:
Spiegel
love-green.de
Wind-Energie.de