„Wir haben es satt“-Demo für bessere Landwirtschaft

Berlin steht in der gesamten Woche in Zeichen der Agrarpolitik. Am gestrigen Freitag wurde die Agrarmesse Grüne Woche eröffnet. Zudem kamen am Donnerstag die Agrarminister von Bund und Ländern zusammen, um aktuelle Themen wie z.B. die grassierende Afrikanische Schweinepest zu besprechen. Der Höhepunkt stellt zweifelsohne die heutige „Wir haben es satt“-Demo dar.

von Matthias Epkes
News

Datum: 19.01.2018 16:21

Breites Bündnis kämpft für eine bessere Landwirtschaft

Es erscheint verrückt, wenn man sich die Forderungen der Organisatoren der Demo anschaut, dass hierfür demonstriert werden muss. Industrieller Landwirtschaft mit ihren Mega-Konzernen wie Monsanto und Bayer im Hintergrund soll Einhalt geboten werden, um eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft zu ermöglichen. Neben gesünderem Essen soll die Tierhaltung unter deutlich artgerechteren Bedingungen erfolgen. Dafür sollen beispielsweise die Subventionen von Megaställen unterbunden werden. Außerdem setzt sich die Demo für globale Bauernrechte ein sowie einen gerechten Welthandel. Dumping-Exporte, die in anderen Teilen der Welt die Märkte und das Leben vor Ort lebender Landwirte zerstörten, müssten gestoppt werden.

Die besondere Bedeutung der Demo wird an der Vielfältigkeit ihrer Teilnehmer deutlich. Visuell besonders stark sind wieder die Landwirte, die mit Traktoren aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin gereist sind. Neben Bio-Bauern nehmen auch Landwirte aus dem konventionellen Bereich an der Demo teil. Dazu kommen noch Personen aus dem Lebensmittelhandwerk, Verbraucher, Imker sowie Aktivisten aus Tier- und Umweltschutz.

Bio-Branche wächst und wächst

Dass in der Landwirtschaft Veränderungen möglich sind, zeigt schon seit vielen Jahren die Bio-Branche. Auch wenn es um Bio-Lebensmittel verhältnismäßig ruhig geworden ist, lässt sich in der Statistik erkennen, dass Bio-Produkte noch immer auf dem Vormarsch sind. In 2016 legte die Anzahl von Bio-Betrieben um 8,6% zu. Insgesamt gab es Ende 2016 damit fast 27.000 Betriebe, die in Bio-Qualität produzierten. Die Verkaufserlöse stiegen im gleichen Zeitraum sogar um 10%. Auch wenn die Zahlen für 2017 noch nicht veröffentlicht wurden, legen die Entwicklungskurven über mehrere Jahre den Schluss nahe, dass auch im zurückliegenden Jahr die Bio-Branche weiter wuchs. Allerdings: Bei aller Euphorie in der ökologischen Landwirtschaft ist der Anteil an der gesamten Landwirtschaft immer noch immer im einstelligen Bereich.

Umstieg auf Bio-Landwirtschaft nicht von heute auf morgen

Um auf Bio-Landwirtschaft umzusteigen, müssen Landwirte eine bestimmte Umstellungszeit von wenigen Wochen (6 Wochen bei Legegeflügel) bis zu mehreren Jahren (3 Jahre bei Dauerkulturen wie Obst, Hopfen oder Spargel) überbrücken. Produkte, die während dieser Zeit produziert werden, dürfen in dieser Zeit das Bio-Siegel nicht verwendet. Um die Qualität zu sichern, wird jeder Betrieb jährlich von unabhängigen Prüfstellen mit Vorankündigung kontrolliert. Zusätzlich müssen sich die Landwirte darauf einstellen, dass stichprobenartig unangekündigte Kontrollen durchgeführt werden können. Weitere Einzelheiten zur Umstellung auf Bio-Landwirtschaft bietet die Website der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Auch Verbraucher müssen Initiative zeigen

Damit mehr Landwirte auf Bio umsteigen, ist am Ende auch der Verbraucher gefordert. Interessant dazu sind die Daten aus der Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dabei fällt auf, dass Verbraucher insgesamt weniger im Bioladen einkaufen gehen. Der sowieso schon geringe Anteil von 8% (2015) sank auf nun 6%. Dass der Kunde generell dazu bereit ist. mehr Geld für etwas Gutes zu bezahlen, zeigt die Studie des BMEL an anderer Stelle. 88% der Befragten würden für bessere Tierhaltung einen höheren Preis bezahlen. Bei einem Kilopreis von 10 Euro für Fleisch, würden sie im Schnitt auch 13,60 Euro bezahlen.

Doch alle guten Vorsätze helfen nicht, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden. Die Marktmacht der Verbraucher wird von diesen in aller Regel unterschätzt. Damit richtet sich die mitten in Berlin gelegene Demo nicht nur an die dortige Politik, sondern ebenfalls an die Nachfrage-Seite, um an allen Fronten für eine nachhaltigere und faire Landwirtschaft zu werben.